Skip to main content

Full text of "Commentatio in Aristophanis Ranas"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commcrcial parties, including placing technical restrictions on automatcd qucrying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send aulomated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogX'S "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct andhclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http : //books . google . com/| 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch fiir Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .corül durchsuchen. 



f 




Ä/^li 




■c ; i 



j 




•1 



cc^(^a-{cS, . /^/^. 



Q. B. F. F. Q. S, 



UNIVERSITATI LITTERARUM 

LÜDOÜICO MAXIMILIANEAE 

UT HOMINES UIRTUTIBUS ET LITTERIS 
CRESCERENT ET AD EXCELSUM HUxVIANAE CONDICIONIS 
FASTIGIUM ACQUIRENDUM FACILIUS INDUCERENTUR, 

CONSTITUTAE, 

QUAE BENE BEATEQUE UIUENDI UIAM PRAEBET, SCIENTIAM 

OMNI TEMPORE ET ADEPTAE ET LARGITAE 

ALMAE MATRI 

QUATTUOR SAECULA FELICITER PERACTA 
OMNI QUA PAR EST REVERENTIA 

GYMNASII MAXIMILIANEI MONACENSIS 

RECTOR ET COLLEGAE 

CONGRATULANTUR. 



INEST COMMENTATIO IN ARISTOPHANIS RANÄS, QUAM SCRIPSIT N. WECKLEIN. 



J>« MONACHII 

FORMIS DESCRIPSIT F. STRAUB 

1IDCC€LXXII._ 



STUDIEN 



ZU DEN 



FRÖSCHEN DES ARISTOPHANES 



VON 






•<>^-°^^^CZ3^^«^^==€»==^^«<€C:::^^^H-c- 



^MÜNCHEN 

AKADEMISCHE BUCHDRUCKEREI VON F. STRAUB 

1872. 



^<x\U 



^H-^ 






^ 



I. XJeber die Farodos der Frösche. 



Im Grossen nnd Ganzen ist nns die unvergleichliche Dichtung des Aristophanes 
verständlich und übt auch auf uns ihre nicht minder Geist und Herz erhebende als 
Lachen erweckende Wirkung aus, wenn sie uns gleich nicht in dem Masse packt und 
ergreift wie die Reihen der athenischen Zuschauer, denen Personen und Sachen unmittel- 
bar vor Augen standen. Im Einzelnen jedoch ist uns noch vieles unklar oder unbekannt ; 
manches dürfte unserem Yerständniss fQr immer entrückt bleiben; anderes wird die 
wissenschaftliche Untersuchung theils durch ein gründlicheres Erfassen der Worte und 
Gedanken des Dichters und eine geschmackvollere Interpretation theils durch ein ein- 
gehenderes Studium der Scholien und anderweitigen Notizen zu erläutern und klar zu 
legen haben. Die Interpretation des Aristophanes aber ist mehr als die irgend eines 
anderen alten Glassikers in Gefahr auf Abwege zu gerathen und Irrlichtem nachzugehen. 
Bald sucht man in den Scherzen des Komikers zu viel bald zu wenig, oft alles andere, 
nur nicht dasjenige, was darin liegt. Wenn man z. B. bei V. 320 unseres Stückes 

qdovaL yövv tov ^'Iokxov ovTteq ^uxyoQag 
meint nicht Diagoras, sondern Euripides sei hier unter Diagoras zu verstehen, so ist 
das nichts weiter als eine leere Einbildung. Wenn Hamaker (Mnem. VI. S. 209) 
die Verse 26 — 29 als Interpolation betrachtet, so hat er nicht bemerkt, dass es der 
Dichter gerade auf den V. 29 

ttcHq yaq g>eQ€ig og y avrdg vq>^ eriQOv q>iqu; 
abgesehen habe; denn wer wird dabei nicht lebhaft an die Trugschlüsse des 
Euthydemus und Dionysodorus, welche Piaton im Dialog Euthyd. so meister- 
haft darstellt, erinnert? Auch die Frage des Dionysos ist fQr Xanthias ein acpvYxov 
iQcktjfia (ib. p. 276 E); aber kurz entschlossen setzt dieser der Theorie die Pra:ps 
entgegen: o ö^ äfiog oixoai Ttii^erai. Wie abgeschmackt würde der darauf folgende 
Scherz des Dionysos 

av d' ow BTtBiSfi TOV ovov ov g>rjg a' axpekeiv, 

iv Tq iiiqu av rov ovov aqafABvog q>eqe. 



sein« wenn nicht eine Parodie jener Kunst beabsichtigt wäre, mit welcher man z. B. 
ans den Prämissen cqmxBiv ze xat hidl^iv %ai xaraxotpcarra Vipetv xat ottxov n:Qo- 
ar/,Bi iiaYBiqcv nnd avxovv iav %iq %a n^rp^owa tv^tttj, OQ^iZg TrqQSei ; die Schlnss- 
folgemng zog : dijloy zoivw, ort av rtg oqxx^ag rov fAdyaiQOv xai y.aroKoilfag iil^fir^ xui 
OTtrr^ayy rä Tt^aipcovra novifiet (ib. p. 301 D)? Die Umkehrung von Subject nnd 
Objekt 6 wog ae — av rov ovov ist ein triftiger Beweis für die gegensätzliche Be- 
hauptung. — Zu den häufigsten Mitteln komischer Wirkung gehört bei Aristophaues 
die, wie die Schollen es bezeichnen, ^aq inovoiay gebrachte Yerkehrung des erwarteten 
Sinnes eines Satzes und die Parodie von Dichterstellen. In letzterer Beziehung leisten 
uns die Scholien die besten Dienste; ohne sie wurde uns manche Pointe entgehen oder 
unverständlich sein. Leider waren die Alexandrinischen Commentatoren, wie gerade der 
zweite Theil der Frösche zeigt, auch hierin nicht durchaus genau und zuverlässig oder 
waren nicht mehr in der Lage bestimmte Angaben zu machen (vgl. Schol. zu V. lOo, 
1028, 1206, 1280, 1344 u. a.)- Bei manchen Stellen konnte die Parodie leicht unbe- 
merkt bleiben; auch wir lesen ahnungslos über V. 883 viv yaq ayah* aog)iag 6 uaya^ 
XfOQei TCQog e^ov r^dr^ weg und doch enthält dywv aoq^iag eine Beziehung auf die charak- 
teristischen Euripideischen Ausdrücke Or. 491 dycov aotpiag icc-Qiy Suppl. 427 dywra 
— aiiäXav ijoybtv. Die Aufinerksamkeit auf solche Parodieen, welche ofb durch den 
Bau des Trimeters angezeigt werden, ist darum bei der Erklärung des Aristophanes sehr 
am Platze. Gleichwohl kann auch dabei gefehlt werden. Zu Y. 84 

dyad-og TtoitjfVifi vmI TtoS-eivog roig q>ikoig 
verweist Bergler auf Eur. Phoen. 320 ?; Ttod^eivog g>lloig. Andere finden in dyadog 
eine Anspielung auf den Namen Agathen, von dem die Bede ist. Beide Beziehungen 
sind unrichtig. Den Sinn dieser Stelle hat Fritzsche so wenig verstanden, dass er 
sagt : ne ad sententiam quidem aptum est verbum ötxtvaiy quippe quod etiam significare 
possit mortnum esse Agathonem. Die Worte sind gerade absichtlich so gewählt, dass 
sie vom Tode des Agathen verstanden werden können, und dya(ydg ^oujvtjg oder 
TtoXtvr^g Y.ai ftod-eivog roXg q)iloig sagte man von einem Verstorbenen 
und schrieb es auf sein Grab, vgl. die Grabschriften bei Boeckh Corp. Inscr. 
Gr. I n. 805 fjLijvQt g>lXov xat TtazQl xaaiyvi/caig re ^o&eivov Tiaai d^ IzalqoiaiVj 
939 oioi noO^eini] -d^^ipafievoig rvfißov Tovde d^avovo^ klaxevy Kangab^ Antiqu. Hellen. II n. 
1653 xXeivov l'Ttaivov ixovZi avÖQa Ttod-eiyorarov Jtaial g^ihß ze yvvaixi, 2203 yrcoa- 
zoiaiv Ttäai Xircovaa tiöB^ovj 2216 Tiäai Tto&eivog *j. Dieser möglichen Beziehung ent- 
spricht der Scherz ig ficcxa^uv eiwxiav (für ig fiaxdQiüv evdaifiovictv). Ueberhaupt hat 
das Streben hinter barmlosen Scherzen des Dichters möglichst viel Witz und Ironie zu 
entdecken bei alten wie neuen Erklärern nachtheilig gewirkt. Y. 177 sagt der Todte 
dvaßiffitp^ VW TtdXiv. Ein Scholiast erklärt das richtig iv i^d-et äi ix zov ivavviov i]fiiv 

^) In dem Epigiamm des Simonides fr. 224 bei Bergk Twy avrov nc acainog dnoSiXvfAiywy 
ayiaxcuy lfix66txoy 6k ^ikot xai noXts ii6e nokri beiweifelt Heimsoeth mit Unrecht die Emendation 
tiie no9ii nnd schreibt iiyfy oX^: der Zusatz Ton oXrt ist nicht nothig, wohl aber scheint noXti eine 
Verbindung von no&eZ and dem Glossem oX^ zu sein. 



olov dTroloifir^v. Aber diese einfache Erklärung genügte andern nicht: oJ de, ort xaXe- 
nov 7]v Tore ro Cijv, äare afxeivov elvai ro ze-ärdvai, elg TLozaQav oiv Xafißdyei ro 
dva^rjaai h ^d&ijvaioig u. 8. w. Auch die neueren Erklärer halten eine solche Bitter- 
keit fBr möglich. Die Scholiasten liessen sich durch die Partikel vvv, wie sie 
t&v wv lasen , zu ihrer Erklärung verleiten ; fär diese selbst aber gilt, was ein Scholiast 
zu V. 419 vwi de drjfiayoyyel iv TÖig avco venQOiai von der Erklärung des ApoUo- 
nius sagt: ovx log L^TtoXkwvuoq ttqoq rrjv e^iyrjaiv rijv „ei firj vevavfidxrpf-s ttjv Tteqt 
Twv xp€c5v" (V. 191) ort did rr)v xcmoTtQaylav vexQovg rovg l4&r[valovg Xeyovar 
ibvxQOv ydq. 

Ein merkwürdiges Durcheinander von Erklärungen hat die Scene, in welcher Xanthias 
seinem Herrn von einer Empusa vorlügt (V. 285 ff.)» hervorgerufen. V. 295 bestätigt Xanthias 
die Frage des Dionysos xat ayJXog yah(.^ ^Z^^ > und fugt hinzu : xai ßoXLxivov d-dregov. 
Die gelehrten Grammatiker, welche einen anderen Namen der Empusa kannten ovo'kcoXov, 
glaubten natürlich, dass von diesem die Eede sein müsse (eVtot de ovov anelog XeyovGu 
dio r.al TtaQa nai xaXelad^ai ovoxtoXov), also erfanden sie : ßoUrivov de, oveiov. ßoXitog 
ydq xvQuog to t(Sv oviov dnoTtdxrifAa. Das richtige hat der Scholiast gesehen, welcher 
bemerkt: r^ ysth.i^ Ttqoaidi^xe tov ßoXivivov eTtkrjSeg. Das Ganze ist nichts weiter 
als ein harmloser Scherz auf das eherne Bein, welches die Volkssage der Empusa gab* 
Das Bein von ßoXirog ist nämlich ebenso weich wie das eherne hart ist und jenes ist 
zum Gehen nicht minder tauglich wie dieses. Einen gleichen Scherz auf die 
Märchen der Volkssage erblicke ich in der vielbesprochenen Stelle V. 186 ^ ^g 
ovov Tto'/Mg, welches von Photius p. 338, 8 und anderen erklärt wird:.£/rt tiov dvrjvv- 
TCüv xat TÜv fi?! ovcojv Xeyetai rj TTaQOi^ia vTto zaiv IdmxwVy worin offenbar enl zoiv 
f-i-q ovTwv entsprechender und richtiger ist als irtt riav dvrjvvrcov. Weil es bei Photius 
weiter heisst: lAqitnaqyog de did ro KqotIvov vTtod-eo&ai {zivd oder vielmehr "Oxvoy) iv 
^'4idov ayoiviov ^XeTcovra, ovo7' de ro TtXeyiojievov aTtead-iovra oXov dTtoxeiqovra (vgl. 
Paus. X 29, 1), ist man der Meinung, Aristarch habe "Oxyoi; TtXoKdg gelesen, und 
Meineke und Kock haben dieses in den Text gesetzt. Aristarch hat nichts anderes 
vor sich gehabt als wir vor uns haben, hat sich aber bei ovot; 7t6y,ag an das auch von 
Eratinos benützte Märchen von dem Esel in der Unterwelt , der das Geflechte des 
Zaudermanns immer wieder ab&isst, erinnert und desshalb sehr unglücklich ovov als 
gen. subiectivus genommen und Ttor.ag' mit dTtead-Lovxa olov dTto-Aeiqovza 
wiedergegeben. Das bedeutet und beweist der Zusatz olov dTto-KeiQovray welchen Din- 
dorf zu tilgen räth. Der Dichter aber sagt implicite : jene vielberufenen^Öxvor 
Ttloxai sind nichts anderes als ovot; Ttöxai. Natürlich berechtigte nur der 
Gleichklang zu einer solchen Vertauschung, wie z. B. auch der minder bedeutende 
Gleichklang zwischen ey-KifpaXog und Ti]Xeq>og in V. 855 den Scherz 
«x^ej TOV TfjXeg>ov (Schol. (oaavet egnj zov eyxegxxlov) ermöglicht hat. In jener 
Schreckensscene aber, von der oben die Bede gewesen ist, lässt der Dichter den entsetzten 
Dionysos rufen not dr/z av TqaTtol^rjv; um daran den Scherz zu knüpfen Ibqbv diaqw- 
Xa^ov ^', Xv ä aoi ^fiTtozTjg. Bei d^n Scholiasten begegnen uns die seltsamen Einfälle, 

1* 



den Dionysos begleite sein Priester oder Dionysos flachte sich zu dem Dionysospriester, 
welcher einen hervorstehenden Ehrensitz im Theater hatte. Letztere dnrchans unmögliche 
Annahme hat merkwürdiger Weise einen Vertheidiger an dem sonst so besonnenen und 
geschmackvollen Enger (Jahrb. f. dass. Phil. Bd. 77 S. 306) gefunden, welcher meint: 
„wollte man annehmen, Dionysos bleibe auf der Bühne, so hätte das Ie^v dia^r)MBn 
fi€y das unmittelbar nach dem Ttol öijr av T^noiiir^v gesprochen ist, durchaus keinen 
Sinn^'. Bekanntlich drückt Ttol drjz av TQcmoiur^v nichts als die völlige Rathlosigkeit 
aus, in welcher man sich sonst an einen Gott wendet und ihm iur die Bettang fernere 
Opfer verspricht (vgl. z. B. Aesch. Cho. 260), hier aber der Gott seine hülfeflehende 
Hand nach seinem Priester ausstreckt und diesen an das eigene Interesse, welche^ 
dabei im Spiele sei, erinnert. Wie Dionysos, ruft auch der heuchlerische Xanthias /ro? 
d' iyci (TQaTtoifÄr^vav); aus und als ob ihn die Empusa schon beim Kragen habe, schreit 
er: anokov^^^ wva^ ^Hqaxktiq, Das Scholion zu dieser Stelle sagt: clx« yctq ox^.ua 
^HQorjdiovg 6 Jiowaog ]] xal dg äle^ixaxov ^HQor/Ma xoilei. Hievon ist allein die 
zweite Erklärung richtig. Gewöhnlich nimmt man an, ,}Xanthias rufe seinen als Herakles 
gekleideten Herrn als ^Hqaxkrß älsiUcrAog an" (Enger a. 0.); vielmehr ruft Xanthias 
ahnungslos den wirklichen "^HqaxXt^g dXe^ixay.og an, welchen man in der 
Noth anruft: der furchtsame und feige Dionysos aber fihrt vor Schrecken zusammen, 
wie er den Namen hört, welchen er angenommen. Nichts hindert, dass Xanthias auf 
diese Auffassung eingehe und mit Jiovvae xoivw fortfahre. Enger setzt noch hinzu: 
„Die Worte f^* Ineq eqx^i (V. 301) enthalten eine Aufforderung an den Dionysos, den 
Weg weiter fortzusetzen; da er von diesem abgewichen war, indem er sich zum Priester 
geflüchtet hatte, so ruft ihn Xanthias wieder zurück ; also sagt er : lass uns weiter gehen, 
komm nur zurück, o Herr". Dergleichen können die Worte Xd^ Insq tqxBi. öev^. 
dtvqj c^ dioTtora niemals bedeuten. Vielmehr heisst id-^ f^.reQ i'^x^i „geh gerad aus'' 
und nach einer Pause ruft Xanthias devQOy devQ^y d diajtota. Xanthias foppt näm- 
lich seinen Herrn ähnlich wie im Cycl. des Eur. 680 ff. die Satyrn mit dem geblen- 
deten Polyphem Blindekuh spielen. Diese Stelle beweist demnach nichts für die An- 
nahme Engers, sondern fordert gerade, dass Dionysos sich auf der Bühne befinde. 

Nach diesen einleitenden Bemerkungen wollen wir versuchen einige Punkte in der Paro- 
dos der Frösche und der ihr zu Grunde liegenden Nachahmung der Mysterien aufeuhellen 
oder näher zu bestimmen. Den meisten Gewinn verpricht uns eine gründliche und ein- 
gehende Betrachtung des Textes, wenn wir dabei stets im Auge behalten, wie der Dichter 
drei Dinge, die Feier der Mysterien, die Unterwelt, wo das Stück spielt, die Oberwelt, 
wo das Stück gespielt wird, in scherzhaften Zusammenhang gebracht hat. Eine für die 
Aufbssung des Ganzen wichtige Thatsache ergibt sich aus dem Schlüsse der Parodob 
V. 440 ff., wo der Chorführer die Aufforderung ergehen lässt: 

rvv ieQOv dvd xv/J.ov d^eag dvd-o(p6qüv dv dhjog 
naCZov%eg oig fiezovaia O^eoquXovg ko^zi'^g. 





iyo) öi avv raiaiv xoQaig elfii xai yvvat^lv, 
ov Ttavi'vxiC.ovaiv S-e^y (ptyyog \eq6v oYacov, 
und der Gbor der Aufforderung nachkommt mit den Worten: 

XOQWfisv ig TtokvQQodovg 

i^cfÄUJvag ard-ef^ciÖEig 

Tov r-/,ieTeQOv tqojzov 

xov TtaXkixoQCtJTaTOv 

Ttai^ovxeg xrl. 
Die Handschriften freilich geben die Worte xwqelTB . . ioqftrß dem Chore oder 
einem Halbchore, die Worte iy(x> de . . oXacov bald dem Dionysos bald einem Halbchore 
bald einem \^evg. Bekanntlich aber hat in einer solchen Frage die handschriftliche 
Autorität keine Bedeutung. Die einen bezogen eyta auf eine einzige Person und setzten 
an die Stelle von yßqog den Namen einer Person, die andern bemerkten, dass von einer 
Theilung des Chors die Bede sei und verstanden desshalb eybß di . . diacov von einem 
i]fxix6qiov. Auch die Scholiasten v^aren nicht besser daran : zu xuqthe xre. hat die Bavenner 
Handschr. die Bemerkung 6 Xoyog Ttqog rov x^Q^^j die Venediger dvvawai TtdvTeg ol 
TuxTa TOV xoQov dXlT^Xotg TtaQaicelevead^aij xat ^xj eig diiotßaia diaiqela&au dXkd tovto elg 
oväiv cpalvoiTo av olxovofiovfxevog. Jene Bemerkung hat eine einzelne Person, diese 
einen Halbchor im Auge. Brunck bemerkt zu den Worten iyo) da . . , oYgiov: Baccho 
vulgo tribuuntur perquam absurde. Dindorf entgegnet: non absurde, sed yerissime. 
Sirailiter chorum interpellat Dionysus v. 414. Ich verstehe nicht, was die Woiiye im 
Munde d^s Dionysos bedeuten sollen. Dieser hat bereits nach der Wohnung des Pluton 
gefragt und ist jetzt nebst seinem Diener Xanthias mit ganz anderen Dingen beschäftigt. 
Wie kann er etwas ankündigen, was nachher nicht geschieht? Was soll q>eyyog Uqov 
otaojv bei ihm heissen? Der auftretende Chor der Mysten bestand aus Männern und 
Frauen (V. 157, 409 ff.). Es ist offenbar, dass mit den Worten iya) de avv taiaiv 
AOQaig eifÄt der Abzug der Frauen angezeigt ist; dieser Abzug wird mit einem 
Gebrauche der Mysterien motiviert. Bekanntlich hatten nicht alle Theilnehmer 
der Mysterien gleiches Becht, sondern schieden sich in Mysten, welche bloss die niedrige 
Weihe hatten, und in Epopten (vgl. z. B. Schol. zu V. 745 ol rä fÄvariJQta Ttaqctkaii- 
ßdvovreg iivOTai iia?MVTai. ol öe Ttaqahxßovreg xd iivorr^qia ri^ av&ig eviavv^ eq>0' 
Qwaiv avzd xal eTtonxevovaC), Nur die Epopten hatten Antheil an der esoterischen 
Feier, bei welcher die heiligen Symbole gezeigt wurden {deiy^vv^eva). Diese heilige 
Feier besteht aber bei unserem Chore in dem Schauen all der Wunderwerke, welche 
nachher die Muse der Komödie ihm vor Augen stellt (vgl. V. 356 f} yewalcav oqyia 
Movöüv [lix eldev fir^r exoQevaev). Die Mysten hatten eine gesonderte Feier, die 
sich auf nächtliche Tänze und Gesänge (jtavwxig) (vgl. Meursius Eleus. c. YIII) be- 
schränkte. Der Chorführer sagt also : „Ziehet ihr, die Theil haben an der gottgefälligen 
Festfeier (d. h. die berufen sind den Chor der Komödie zu bilden) in den heiligen Kreis- 
rund der Göttin scherzend im blumigen Haine; ich aber will mit den Mädchen und 
Frauen dahin ziehen, wo man die Nachtfeier der Göttin begeht, heiliges Licht dahin zu 



6 

bringen.'^ Es ist klar, dass diese Worte nicht von einander getrennt werden können. 
Da der Sprechende ankündigt, dass er an der Spitze der Mädchen nnd Franen abziehen 
werde, so kann er nicht der Führer des zurückbleibenden Männerchors sondern nur der 
Führer des Fraaenchores sein ; da dieser von sich sagt q>iyyoq \eqdv oloiovj so bezeichnet 
er sich als d(iäovxogy welcher neben dem itqoqxiytr^g die höchste Priesterwürde der 
Elensinischen Mysterien bekleidete (vgl. Meursins c. XIV). Diesen Schlnss hat, wie ich 
sehe, schon Fritzsche de cannine Aristophanis mystico p. 106 ans den Worten gezogen 
und niemand sollte daran zweifeln. Wenn aber der dtfdocxog der Führer des Frauen- 
chores ist, so darf als sicher gelten, was man unter Anleitung des Scholiasten zu V. 369 
^o^ Ti]v Tov uQoqfavTov xal difdovxov TTQOQQr^aiv Trjv ev rfj TtoixiXi] avo^ aus der 
ceremoniellen Form und dem Inhalt der Anapäste V. 354 fT. geschlossen hat, dass der 
Führer des Männerchors, der gewöhnliche Koryphaios, als iBQOfpavrrfi dargestellt war, 
an dessenAmt wieder (vgl. Hesych. ic^qwryrij^- /uraTaywydg, \eQtvg 6 ra fÄvarr^Qia 
ÖBixviwv) die Worte V. 356 o^/ia Jlotacov \irj[t eldev fit[t exo^vaev erinnern. Wenn 
Enger (a. 0. S. 311) sagt: „Der Hierophant ist nicht der Chorführer, überhaupt keine 
Ghorperson, sondern ein Parachoregema. Der Dichter braucht ihn nur zum Mystenzuge ; 
in dem folgenden Theile der Komödie würde sich bei der veränderten Stellung des Chors 
der durch seine priesterliche Tracht, Diadem und Purpurkleid ausgezeichnete Hierophant 
eigenthümlich ausnehmen*^, so ist dagegen zu bemerken, dass einmal der Inhalt von 
Y. 354 ff. nur für den Chorführer passt, der sonst die Anapäste der Parabase spricht, 
und dass auch der Chor während des ganzen Stückes den mystischen Charakter beibe- 
hält, wie er V. 686 als leQog x^Qog bezeichnet wird (vgl. Schol. zu V. 1523 q^aiveve 
. . hxfiJtddag iQctg: avcl rov dvanTere lo fiiorai) ^). Der Führer des Frauenchores 



^) Wie bedenklich es sei einem Parachoregema eine so bedeutende Partie zu geben, zeigt recht 
deutlich die Oekonomie am Schlüsse unseres Stückes. V. 1480 f. erfolgt nämlich desshilb nnter einem 
schicklichen Verwände ein Abtreten aUer handelnden Personen , damit die grössere Partie, mit 
welcher Plnton den Aeschjlns yerabschieden soll (V. 1500 ff.), nicht dem Paracho- 
regema, welches bisher den Plnton spielte, sondern dem Tritagonisten gegeben 
werden könne. Denn die Ansicht Ton Hermann (Wiener Jahrb. d. Lit.1845 Bd. 110. S. 67), dass 
in der Wettkampiscene die Person des Plnton ganzlich beseitigt werden müsse nnd die wenigen Reden 
1414, 1415 f., 1467, 1479, 1480 {tva ^fyiüioci schreibt Hermann für Tva i^yiaat) dem Chor zn geben 
seien, kann nicht richtig sein, da die Worte roy ixf^oy Xaßuy arret T. 1415, wie svSatfioyotfi^ zeigt, 
nur dem Beherrscher der Unterwelt zukommen nnd die Worte des Dionysos fd Xiy^tg yif roy JC> ov 
ydq ax^fJMt t& TT^ayfiart deutlich auf die Einladung, die nur von Pluton ausgehen kann, hinweisen. 
Das Aufinreten des Pluton aber ist Y. 784 f. angekündigt; er muss also zugleich mit Dionysos, Aeschy- 
lus, Euripides nach Y. 829 auf die Bühne kommen. Freilich hat es mit dem Parachoregema in der 
Parodos eine andere Bewandtniss; denn mit Bestimmtheit darf man annehmen, dass die Rolle des 
Daduchos durch den Tritagonisten gegeben wird, welcher zwischen Y.447 und 476 sich als Aeakos um- 
zukleiden hat, wenn nicht vielmehr Aeakos drinnen bleibt und wie der Thürhüter 
in Piatons Protagoras aus dem Innern des Hauses herausspricht, so dass eine Ümklei- 
dung Torderhand gar nicht nöthig ist — Die Personenvertheilung, welche Meier HalL Lit. Z. 1836 
S. 326 und Beer über die Zahl der Schausp. bei Arist. S.84 aufgestellt haben, ist in einigen Punkten 
zu berichtigen: 



fordert also den Männerchor auf in den heiligen Kreisrund der Göttin zu wandeln, wäh- 
rend er selbst mit den Frauen sich entfernen wolle; da der Männerchor dieser Auffor- 
derung nachkommt (vgl. xwgßlre — xtoqmiiEv^ dvd'oq)6QOv dv aXao^ — ig ^oXvQQodovg 
Xeifiühag dv^eficiSetg)^ so muss mit dem Abzug der Frauen ein Weiterziehe des Männer- 
chores verbunden sein ; dieser kann nur in die Orchestra ziehen ; alsoistderMystenchor 
im Anfang auf dem loyetov aufgetreten ^) und während die Frauen mitV.448 
durch den rechten Zugang der Bühne abgehen, tritt der Männerchor in die Orchestra 
hinab, wo er bis zum Ende des Stückes verbleibt. 

Das Auftreten des Chors auf der Bühne kann nur als Ausnahme betrachtet werden ; 
es finden sich aber noch andere Beispiele bei den Tragikern wie bei den Komikern. 

« 

Kock freilich, welcher in seiner Schrift „über die Parados der griechischen Tragödie im 
Allgemeinen und die des Oedipus im Kolonos im Besonderen" alle Stücke der Tragiker 
durchmustert, hat für diese Abweichung von der Regel keinen einzigen Anhaltspunkt 
gefunden, ich habe aber im Philol. XXXI S. 459 auf Soph. Philoct. 146 verwiesen, 
wo die Worte des Neoptolemos, die dieser an den Chor richtet, 

OTtcrcav öi fioXrj 

öeivog oditrjg, zwvä* ex fieldx^QCJv 

TtQog i^r^v alet %eiqa nqoxioqüv 

TteiQCJ zo Tiaqov d-EqaTieieiv 
als durchaus zwecklos erscheinen, wenn wir nicht eine Bücksicht auf die scenische Dar- 
stellung annehmen. Den Worten muss in der nachfolgenden Handlung bei dem Auf- 
treten des Philoktetes ein äusserer Vorgang entsprechen; dieser Vorgang besteht in 
stummen Handbewegungendes Neoptolemos ^), welche dem Chor andeuten sich zurückzuziehen, 
was an und fär sich sehr wenig heissen will^ sich aber als ein vom Dichter gesuchtes 
und zwar sehr gesuchtes Mittel der scenischen Oekonomie zu erkennen gibt, den Chor 
von der Bühne in die Orchestra zu bringen. Der Dichter wollte diesen Vorgang lieber 
ganz äusserlich motivieren als sich eine Unnatürlichheit zu Schulden kommen lassen. 
Denn eine ünnatürlichkeit wäre es, wenn der Chor der SchifiGsleute, der zu seinem Herrn 
gehört, entweder erst eine geraume Zeit später aufträte als Neoptolemos oder durch die 
untere Parodos hereinkäme, während sein Führer durch die obere auftritt. Der Chor 



Protagonist: Dionysos. 

Deateiagonist : Xanthias, Aeschylus. 

Tritagonist: Herakles, Charon, Daduchos, Aeakos, Dienerin, erste Garküchnerin, Enripides, 

Pluton V. 1500. 
Farachoregema : Der Todte, Plathane, Pluton (830 — 1481), Nebenchor der Frauen und Madchen. 
^) Nur nacli Gutdünken urtheilt Schönborn Skene d. Hell. S. 356, wenn er den Chor „durch 
die Thiiren der Skene'' auftreten und mit den Y. 353 beginnenden Anapästen in die Orchestra hinab- 
steigen lässt, um dort V. 372 einen Chortanz au&uführen. Enger a. 0. 8. 309 nimmt an, dass der 
Chor in der Orchestra auftrete und von da auf die Bühne ziehe. 

*) TtQos ^f^n^ cciei — also so zu sagen ganz nach dem Takte der Handbewegungen — X^^9^ 
— natürlich nur ad Signum manu datum — tü)p6* dx (xeXd&Qüiv — niemand wird dieses mehr mit 
o'Sitfig Terbinden wollen. 



tritt mit Neoptolemos auf der Bühne auf, bleibt aber im Hintergronde stehen , während 
Neoptolemos nnd Odyssens vortreten und den Aufenthaltsort des Philoktetes ausspähen; 
man muss sich denken , dass der Chor ebenso wenig von den Worten der beiden höre, 
als er von der Grotte des Philoktetes sieht; er bleibt im Hintergrunde, bis Neoptolemos 
nach dem Abtreten des Odysseus sich nach ihm umkehrt und ihm seine Aufinerksamkeit 
schenkt. Bei Sophocles begegnet uns kein anderer Fall der Art. Bei Aeschylos ist 
das erste Auftreten der Erinyen in den Eum. von ganz eigenthümlicher Beschaffenheit 
und gehört nicht hieher, weil der Chor nicht von der Bahne in die Orchestra nieder- 
steigt, sondern nachher in gewöhnlicher Weise in die Orchestra konunt. Im Prom. tritt 
der Chor der Okeaniden auf Flfigelwagen, die über der Bühne schweben, auf und 
steigt mit Y. 283 in die Orchestra nieder. Bemerkenswerth ist, dass in den Hike- 
tiden der Chor, welcher in der Orchestra aufgetreten ist, auf die Bühne steigt, um 
sich schutzflehend an den Altären der Götter niederzusetzen (vgl. Y. 189 Ttayor 
TtQOcl^acy rcSvd* dyoivUov ^ec5v, 207 d-üjoifji av Hjdrj aol nekag d-Qovovg exeiv). V. 506 
fordert der König den Chor auf die Zweige, die er in der Hand hält, an den Al- 
tären der Götter niederzulegen und verweist ihn mit den Worten levQov xor aXaog 
vvv i^i(TZQiq)ov rode wieder in die Orchestra zurück, wo das Stasimon 524 ff. 
gesungen wird. Die Altäre der Götter konnten eben sowohl der Scenerie wegen, da sie 
bei dem darauf folgenden Stücke wieder entfernt werden mussten, als auch der Natur 
der Sache nach nur auf der Bühne stehen. Auch im Oedipus Tyr. sitzt die Schaar der 
hilfeflehenden Kinder und greisen Priester auf der Bühne an dem Altare, an welchem 
sie die Zweige niedergelegt haben. Bei dem Abtreten nehmen sie die Zweige mit fort 
(Y. 143). Hiemach müssen wir uns in der vielfach behandelten Frage, wie der Chor 
in den Hiketiden des Euripides auftrete, nach Y. 93 

fir^re^ yeqaidv ßiofiiav iq>fi^ivrp^ 
^ivovg -3-^ Ofiov ywahiag 
und Y. 102 ixeaioig de avv uladoig 

g>qovQOvai fi^ tog dido^ag^ ev xtaA^t/, zexvov 
durchaus dafür entscheiden, dass der Chor der Schutzflehenden im Anfang 
sich auf der Bühne befindet. Die Aufforderung des Theseus Y. 359, 

aiX (ü ysQaiah oifiv dqHziqeire otiq^rj \ fitjTQog 
genügt, um das Hinabziehen des Chors in die Orchestra zu motivieren. Im Orestes des 
Euripides haben die Worte des auftretenden Chors Y. 140 

alya aiya Xertrov iyvog aQßvXr^g t/^-ctc, firj TLzvTtBtc, 
ihre volle Bedeutung, wenn der Chor unmittelbar bei dem Buhebette des Orestes vorüber- 
geht. Die Worte der Elektra aber 

d^OTtQO ßm ixeio^j aTtOTtqo fioi nocTag 
beweisen vollends, dass der Chor von der Bühne aus in die Orchestra 
tritt, indem er der Aufforderung der Elektra nachkommt {Idov Ttei&ofiai). Sonst habe 
ich keine Beispiele bei den Tragikern gefunden. Yon Aristophanes kenne ich ausser 
der fraglichen Parados der Frösche kein Stück, in welchem der gesammte Chor von An- 



fang an sich auf der Bühne befindet. In der Lysistrata tritt nach der mit Unrecht 
bestrittenen Benoierkung des Schol. zu V. 321 der Chor de/ Frauen auf der Bühne auf 
(elaB^o/.uvojv avcod^tv)^ während der Chor der Männer durch die Orchestra herankommt. 
V. 1042 zieht der Chor der Frauen von der Bühne in die Orchestra hinunter {aXka 
Koivrj avaraXivieg xrl.). In dem Frieden steigt der Chor, wie Enger im Rh. Mus. IV 
S. 572 nachgewiesen hat, bei V. 428 aus der Orchestra auf die Bühne und wird mit 
V. 551 ff. wieder in die Orchestra zurückgewiesen. — 

Mit dem Nachweise, dass in der Parodos der Frösche der Chor auf der Bühne 
auftrete, löst sich eine Schwierigkeit, welche auf keine andere Weise aufgehoben werden 
kann. V. 414 geben die Handschriften: 

Savd'. iyfjj rf' aei Ttcog q^iXomoXouü^og elf.u y,ai ' ^er^ avrr^g 
TtaiCiov yoQ€V€iv ßovXofiai. Jlov. xaycoye nqog. 
Man hat diese Personenbezeichnung auf die mannigfaltigste Weise geändert. Auch dem 
Schol. des Bav., welcher zu xccycoye TVQog bemerkt: t^j/^^' tovto tov Jiovvaov q)aat 
fi€ra^ TtaQe/jßdXXovTog iJyeiv lag eine andere Vertheilung der Verse vor, wohl die- 
jenige, welche Bergk herstellen will: fortasse choro sunt tribuendi; denn wenn Din- 
dorf dazu sagt: ex quo colligi potest in libro scholiastae non Dionysi sed Xanthiae 
personam notatam fuisse, so verstehe ich nicht wie sich dann der Scholiast f^ara^ , 
TTagefAßdllovrog ausdrücken konnte. Doch das mag sein wie es will, dem Chore oder 
einem Theile des Chors — Kock will die Verse zwei Jünglingen aus dem Chore geben 
— können die Verse schon desshalb nicht gehören, weil Dionysos und Janthias nicht 
erst mit; V. 431 hervortreten, sondern durch das gleiche Versmass wie durch die Con- 
junction ovv uns zu erkennen, geben, dass sie bei dem vorhergehenden gemeinsamen 
(xoivij V. 416) Spottliede mitgesungen haben. Meineke hat die frühere Ordnung 
Dindorfs im Texte, wornach Tcaycoye Ttqog dem Xanthias, das vorhergehende dem Dio- 
nysos gehört. Fritzsche hat gar die Worte eyio de — ßovXofAai dem Daduchen zu- 
getheilt. Dass hier die handschriftliche Personenbezeichnung richtig ist, hat E. von 
Leutsch in der trefflichen Abhandlung über Aristophaues Frösche in Philol. Suppl. I 
S. 137 unwiderleglich dargethan: die Worte cpi)Mx,6XovOog und del ncog haben nur im 
Munde des Dieners (dxoXovO'og, pedisequus) einen Sinn. Uebrigens erinnert q^iXa-- 
y,6Xov^og auch an die specielle ßedeutung von dxoXovd-og bei den 
Mysterien, welche man aus der Inschrift Corp. Inscr. Gr. I n. 71 b. rolat fiiarrj- 
oiv aal Tolg Ijroiiirjaiv y,ai roig dxoXovO^oiaiv y.al [ßov?.] oiaiv erkennt. Wenn aber 
Leutsch weiter noch der Ansicht ist, dass durch das Metrum eine Lücke angezeigt sei 
und auch hier wie V. 431 — 33 die voraus vom Chore gebrauchte metrische Form bei- 
behalten werden müsse, so kann ich durchaus nicht beistimmen: an der anderen Stelle 
wird, wie ich schon bemerkt habe, die vorausgehende Form natürlicher Weise beibe- 
halten, weil Dionysos vorher selbst mitgesungen hat; hier ist dies nicht der Fall und 
das passende Metrum für die Zwischenrede des erst hervortretenden Xanthias ist wie 
V. 337 ff. der jambische Trimeter. Die Annahme einer Responsion zwischen diesen 
beiden Versen und V. 444—47 und die Herstellung dieser Responsion durch die gewalt- 

2 



10 

samsten Mittel (Fritzsche ffi)Mx6lor0^6g ng ßv uet avTf^g . . Txqoi^ de xaV tytoye^ 
Dindorf '/.ayioyt ciqoaxoqeioio Uüd V. 444 ff. xogaiaiv elfti . . -^al (fiyyog i^v oYaiu) 
ist nicht nur unmetbodisch^ soDderu auch schon desshalb unstatthaft, weil die Gleichheit 
der entsprechenden Personen (Fritzsche: Priester — Priester, Dindorf: Xanthias und 
Dioysos — Dionysos), wie wir gesehen haben, unmöglich hergestellt werden kann. 
Natürlich, einfach und gewiss richtig ist allein die Annahme von Beck, welcher fier 
avn^g als beigeschriebene Erklärung tilgt und dadurch zwei Trimeter gewinnt. Ich 
bemerke noch, dass Xanthias bei dieser Gelegenheit sein Bändel ab- 
wirft, welches er V. 437 zu seinem grossen Aerger wieder aufnehmen muss. Es schliessen 
sich also hier Xanthias und Dionysos dem Chore an: wäre dieser in der Orchestra, so 
müssten jene in die Orchestra hinabtreten; das ist an und für sich misslich und wider- 
spricht den Worten des Chors 434 ff., nach denen Dionysos ohne unterdessen weiter 
gegangen zu sein sich unmittelbar au der Thüre des Pluton befindet (ioO^ in cnrt]y 
T}i]y d^i'Qav aifiy^iivog). Um diesen Widerspruch zu beseitigen muss Enger (a. 0. 
S. 810) annehmen, Dionysos sage für sich mit Bezug auf das vorhergehende "/ax/c 
q^thjxoqeiid des Chors, als ob ihm dies gelte, iyci S" du jrwg yfAaxoAoi-^og eifii und 
nachdem er beim Erscheinen des Chors seitwärts getreten, folge er alsdann der Marsch- 
bewegung des Chors auf der Orchestra seinerseits auf der Bühne, als ob er mit dem 
Chore zugleich die Procession mitmache, wesshalb es auch dei ntog heisse. Damit wäre 
der ganze Scherz verdorben; dem Xanthias, welcher von der reizenden av/jnatcTQia 
gehört hat, ist es um ein wirkliches dy,okoti^€iv zu thun oder, richtiger gesagt, der 
Dichter, welcher das Hervortreten des Dionysos und Xanthias (vgl. V. 315 
i]Qeu€i Ttrr^^avteg) motivieren will, darf ein derartiges Motiv nicht in blossen Worten 
bestehen lassen. Die Schwierigkeit also fallt weg, wenn der Chor auf der Bühne steht 
Dionysos und Xanthias treten aus ihrem Versteck hervor, schliessen sich dem Chor an 
und betheiligen sich bei dem folgenden Spottgesange. 

Nicht ohne besonderen Grund wird ein Dichter von dem herkömmlichen Gebrauche 
den Chor in der Orchestra auftreten zu lassen abgewichen sein. In den Fröschen musste 
schon die scenische Darstellung eine solche Unregelmässigkeit fordern, wenn anders irgend 
etwas der Illusion zu Liebe geschehen sollte. Freilich gehört die Scenerie der Frösche 
zu den Fragen, über die sich sehr viel vermuthen, aber nichts bestimmtes sagen lässt. 
Nur ein Punkt, glaube ich, kann dem Venediger Scholion zu V. 297 (paivovrai de otV. 
tivai Lil rot' koyelovy d)X litt rrg oqyr^atqagy iv tj 6 /iiowaog evißtj xai 6 TiXocg 
iTtETeXetTo und den verschiedenen Vermuthungen über die Darstellung des Acherusischen 
Sees gegenüber aus den V. 180 ff. festgestellt werden. Diese lauten: 

Jiov. xiOQiüfiey hrl ro JiKölov, Xag. cuo/r, naqaßakoi\ 
Jiov, Tovri ci iaxi; Sccvd; rovro; Xlfivr^, Jiov, vr^ Jlay 
avtr^ ^OTiv t^v t(f^L^e r.ai nkolov y bi^C}, 
Die Vertheilung der Worte an die einzelnen Personen darf als ausgemacht gelten. 
Meineke wurft mit Hamaker den ersten Vers als Interpolation aus. Allerdings kann 
aoSallen, dass Dionysos sagt xio^diitv hd rc lüjoiov und dann den Acherusischen 






11 

See Dicht erkennt. Allein man muss die Stelle recht verstehen. Der Acherusischc 
See ist durch eine Dekoration vorgestellt und Dionysos muss sich 
von seinem klügeren Diener erst belehren lassen, dass dieses Qe- 
mälde den Acheron bedeuten solle. Diese Dekoration konnte kaum anderswo 
als an einer Periakte angebracht sein und so war die ganze scenische Ausstattung durch 
die einfachsten Mittel zu bewerkstelligen (vgl. G. Hermann de re scenica in Aesch. 
Orest. p. 4). Das Venediger Scholion zu V. 180 gibt an: ivzav^a öi rov 7rloiav 
d(p&iyrog TJXkoudad-ai xQrj rr^v aurjvrjv xat eivat y.aTa rrjv ^y^EQOvalav lifjptp' rov 
tojCov i/tt Tov Xoyeiov tj Ini rtjg OQyjjarqag, fArjöeirio öi Iv ^'didov, augenscheinlich 
nur eine nach Gutdünken gemachte Bemerkung; das Ravenner zu V. 274 f^ieraßeßlrjrai 
rj axTjvrj y.al ytyovey inoyeiog. Von den neueren nehmen die einen eine doppelte, die 
anderen eine einmalige (Schönborn Sk. d. Hell. S. 351) oder auch gar keine (Ge- 
nelli S. '^66 ff.) Scenenveränderung an. Eine einmalige Sceneuveränderung und zwar 
diejenige, welche das Kavenner Scholion angibt, ist unbedingt nothwendig, da die Ober- 
und die Unterwelt nicht auf derselben Dekoration angebracht sein kann, die Personen 
aber auf der Buhne, nicht in der Orchestra auftreten. Wenn V. 139 von dem winzig 
kleinen Kahne des Charon die Eede ist und der Diener Xanthias nicht mitfahren darf, 
so können wir überzeugt sein, dass die Kleinheit des Kahnes in der Bühnen- 
einrichtung ihren Grund hatte, was der Dichter zu artigen Scherzen be- 
nützt hat (vgl. V. 300). Es ist gar nicht daran zu denken, dass, wie Meineke zu 
V. 182 vermuthet, der Todte, von dem keine Rede mehr ist, wieder zum Vorschein 
komme und mit übergesetzt werde. Beachten wir noch, dass Xanthias im Kreise herum- 
laufen muss {Tteqid^qi^eL . . xi;xA(^j V. 193), so dürfen wir vielleicht annehmen, dass 
der Kahn des Charon mit der Periakte in Verbindung stand und durch die Periakte um- 
gedreht wurde. Auf diese Weise ergibt sich eine ganz einfache Scenerie: Dionysos 
und Xanthias treten rechts auf; denn sie kommen zur See an ^). An der Mittelthüre 
ist die Wohnung des Herakles angebracht. Von da ziehen sie weiter und erblicken an 
der linken Periakte den Acherusischen See ; zugleich kommt durch eine leichte Bewegung 
der Periakte der Kahn des Charon zum Vorschein. Während der Umdrehung der Peri- 
akte geht die Verwandlung der Fonddekoration vor sich, so dass nach Vollendung der 
Drehung Dionysos auf dem Kahne des Charon in der That in der Unterwelt anlangt. 
Die Dekoration des Acherusischen Sees bleibt an der linken Periakte, da dieser zur 
Umgebung des Hades gehört. 

Ein zweiter Grund ffir das Auftreten des Chors auf der Bühne lag in der Dar- 
stellung eines Jakchoszuges. Die Worte V. 350 ov Se hxiÄTtadi (ptyyo)v TtQoßddrjv 
t^ay en dvO^rjqdv VXsiov dartedov %oqo7Tol6v /ACcyiaQ tjßav und V. 372 x^pet vvv Ttag 
avdqeUog eig rovg evav&elg Y.ohtovg Xeificivojv xrl. schweben vollkommen in der Luft, 

') V. 48 ist von Enger a. 0. S. 299 richtiger als von Kock erklärt. Dionysos antwortet auf 
die Frage des Herakles, ohne auf den Zusammenhang, welchen die Frage im Sinne des Herakles mit 
dem sonderbaren Kostüme des Dionysos hat, Bücksicht za nehmen, weil er die Sache von ihrem Anfang 
an erzählen will und über das Kostüm zuletzt die Erklärung abzugeben gedenkt. 

2* 



12 

wenn nicht ein wirklicher Marsch stattfindet und ein Ziel des Mai'sches vor Augen 
schwebt Als Ziel kann aber nicht der Ort betrachtet werden, an welchem man schon 
ist oder Yon dem man herkommt. Die Eingeweihten wohnen nach den Worten des 
Herakles V. 162 ganz nah am Wege an den Pforten des Pluton {int raiai tov flXov^ 
Tcovog ohovoiv xtvQaig) ; der Palast des Pluton aber ist auf der Bühne : die Mysten 
kommen also aus einer Seitenthüre heraus — die andere Seitenthüre stellte den 
Eingang in eine Garküche vor — , ziehen von V. 372 an auf der Bühne umher und 
gelangen zuletzt in dem fivarr/.o^ oij'4og oder dvay.zoQor, wo die Orgien der Musen zu 
schauen sind (V. 356), d. b. in der Qrchestra an. 

Die Jlvsteu treten auf unter Flötenmusik (V. 154), von welcher das Jakchoslied 
V. 325 — 353 begleitet wird, mit Myrten bekränzt (V. 156, 328) und Fackeln tragend 
(V. 313, 340). In Betreff der letzteren bemerkt M. Herm. Ed. Meier opusc. acad. 
vol. I p. 21: Chorus in orchestram mox introiturus ex lougioquo percipitur, quem 
mystarum esse chorum spectatores iam tum (v. 313) possunt percipere ex late spien- 
dente facum arcauarum lumine, quas chomsusque ad exitum fabulae (cfr. v. 1524 sqq.) 
tenet. Können wir glauben, dass der Chor bis zum Schlüsse des Stückes brennende 
Fackeln in der Hand gebalten habe? Eher lässt sich vermuthen, dass nur die Frauen 
brennende Fackeln trugen und wieder mit sich Ibrtnahmen, so dass diese bei der weiteren 
Aufführung keine Störung mehr verursachten. Da aber die Worte (falvexe zoirvy vfiug 
tovriiJ txzuTiadag \Qag auf einen Gebrauch von Fackeln hinweisen, so muss man glaube 
ich annehmen, dass wie die Komödie des Aristophanes alles karikierte, auch die Fackeln 
des Mystenchores nur die Karikatur von Fackeln d. h. gemalte Fackeln waren, welche 
der Chor, wie sonst Stäbe oder Zweige, bei Seite legen und zu gelegener Zeit wieder 
aufnehmen konnte. Eine Andeutung dessen nach der Weise des Aristophanes kann man 
in dem V. 340 finden, dessen Text und Sinn freilich noch gar nicht feststeht. In den 
Handschriften steht: 

iyeiQC (f)joytag ?Mu/fac)ag h* Z^^^i yc^Q i'/'^t rtrdaacor. 
Die Herstellung der Besponsion verlangt, dass entweder yaq J-xe« oder TivaGotov aus- 
geworfen werde. Allerdings meint Fritzsche lieber im entsprechenden Verse der 
Strophe eine Lücke annehmen zu müssen und setzt dort nach vaUov mit einer geringeren 
Handschrift ^'lar^yß ein, hier aber schreibt er: l^c/^c* ifkoyiag hxiinadag iv y^QOi yaQ 
^ei Tivdoocov, Allein wenn Fritzsche dazu bemerkt „in collocatione particulae yaQ 
poetis frequente non est haerendum", so ist jetzt als Regel festgestellt, dass ydg wie de 
nur dann an vierter oder fünfter Stelle stehen kann, wenn die vorausgehenden Wörter 
sich zu einem einzigen Begriffe oder einem einheitliclien Satzfrliede vereinigen (vgl. 
z.B. Burgard Quaest. gramm. Aeschyl. p. 67 bqq). Schon desshalb also kann die 
Annahme von Fritzsche nicht für richtig gelten, wenn auch von Seite des Sinnes 
oder des Yersmasses nichts dagegen einzuwenden wäre. In der herkömmlichen Ver- 
bindung vollends iyeiQe (pAcy/tag Xa^iirddag, iv xeqai ydq ii['Attg rivdaacov entbehrt 
Ttvdaoiov des nöthigen Objects. Wir finden also auch hier wie oben bei der Behand- 
lung von V. 414, dass die Annahme eines Glossems, einer erklärenden Beischrift, die 



•v 



13 

in den Text gerieth , nicht die Annahme einer Lücke begründet sei ^) Mass nuu ent- 
weder yccQ y^^u oder iivaGGUiv dem Metium weichen, so dürfte auf den ersten Anblick 
vivadoi^v^ welches schon von Triclinius der Responsioii halber ausgeworfen ^ ist, 

als ein mit Bücksicht auf V. 328 gemachter Zusatz erscheinen, wie Bergn »^.uieibt: 
tivaGGiiiv manifestum glossema, additum ad iiisolentiorem accusativi usum explicandum, 
de quo vid. Bernhardy Syntax. L. Gr. p. 119. Allein die von Bernhardy aus älteren 
Schriftstellern angeführten Beispiele sind entweder ganz verschiedener Art wie Soph. 
Trach. 1062, Ar. Nub. 278 oder corrupt wie Eur. Bacch. 235, wo Badham ivoa^iov 
'AOfifjv in evoofioig y.o(aiüv emendiert hat. Eine andere Construction der Worte aber ist 
nicht möglich. Mit Nothwendigkeit werden wir auf die Annahme von Hermann (El. 
d. metr. p. 501) hingewiesen, welcher yaq rxet als Glossem streicht. Die Veranlassung 
zu dem Zusätze yaQ tf/.et lag darin, dass man eyeiQs cployiai; hx/ATtddag für sich nahm 
und als eine an den Chor gerichtete Ermunterung betrachtete und dann zu iy /e^t 
TLi'doacov rvTtreQov Tekerljg (pojö(f6qog daTrjQ ein verb. finit. brauchte. Was 
heisst aber 

tyeiqe cployeag Xafindöag iv %eqgI civdoacov 
und an wen ist die Aufforderung gerichtet? Mit Recht bemerkt Eock, dass die Bitte 
des Chors, der Gott möge das Licht der Fackeln zu dem nächtlichen Festzuge erwecken 
(vgl. Xenoph. Symp. 2, 24 6 olvog rag (piXoipqoavvag uianeQ ekaiov g?X6ya iydqei, 
Aesch. Ag. 299, Eubul. fr. 75, 7) keinen Sinn habe, da die Fackeln nach V. 512 
längst brennen. Kock vermuthet tTceiye, Das Bäthsel löst sich durch die Bemerkung, 
dass ayeige (ployiag zusammengehört („fache zu hellerPlamme an*') 
und ev xeQot t tvdaawv in causalem Verhältniss zu eyeiQe (pkoyiag 
steht; denn durch das Schütteln der Fackel wird das Licht zu flackernder und fun- 
kelnder Flamme angefacht. Hiernach erweist sich die von Fritzsche und Eock auf- 
genommene gewaltsame Aenderung von Hermann in V. 344 (pUyETat äij q^loyi Xei- 
fidv (für cpXoyl cpeyyszai de XetfAwv) als unrichtig; denn nicht erglänzt schon (ßi^) 
von heller Flamme die Au, sondern das wird geschehen, wennJakchos erscheint und das 
helle Aufleuchten der Packeln veranlasst. Der Chor aber schildert die blosse Folge (d i) 
ohne Rücksicht auf die Zeit. Es entspricht also der dvcmkü/Aevog einem jonischen Di- 
meter und wie hier und in V, 347 (xQoviovg % izwv naXaiüv eviavxovg = aTiq>avov 
fÄhqtbjVf d-qaaei ^ iy-) die Herstellung einer vollständigen Responsion unstatthaft 
und unmöglich ist, so muss auch die Besponsion von V. 336 oaioig fivaraig xoqeiav 
mit V. 353 xo^noiov {Ad^aq rßav als genügend erachtet werden. Die Ansicht von 
Fritzsche, welcher in dem Schol. einen Anhaltspunkt für die Annahme eines Glos- 



^) Nicht anders steht es bei Y. 897, wo Dindorf gewiss das richtige gesehen hat, wenn es 
auch bei Fritzsche heisst: nempe qtu hie dfifiiXetay deleverit, eum critici oflficio fanctam esse negat 
criticorom &cile princeps Hermannns. Wer darf annehmen, dass s afällig an derselben Stelle der 
Antistrophe, wo in der Strophe das Wort sfifiiXeiay sich als überflüssig herausstellt und nur nach 
bedenklichen Correkturen sich dem Sinne fugt, ein Ausfall stattgefunden habe, während der Sinn eine 
Ergänzung nicht nur nicht forciert, sondern kaum vertragt? 



/ 



14 

sems erblickt, ist yod Enger (a. 0. S 312) zarfickgewiesen worden. Mit Recht hat 
dagegen Fritzscfae Anstoss genommeb an der Verbindung von ayvav teQavy hat aber 
nicht gesehen, dass das eine Epitheton, äyvav geschrieben, zu XaQttcjy gehöre, wie 
bereits E. v. Leutsch im PhiloL XXIV S. 82 bemerkt und begründet hat {yaqivvjv 
nXuüTov tyovaav /.t^QOs; ayvai% iegav oaiotg ^iavatg yo^eiav). Ich meine also, dass 
jener Vers eine scherzhafte Motivierung des todten und bewegungslosen Lichtes der 
Fackeln enthalten könne. Wie dem auch immer sei, mit Sicherheit kann ein anderer 
Punkt aus der Vergleichung unserer Stelle mit dem analogen Inhalte der Strophe ge- 
folgert werden. Jakchos wird angerufen als der lichtbringeude Stern (tfcjoifOQog äarr^Q 
vgl. Aristid. I p. 422 ed. Dind. va^^ q^ijOfpoQoig jTXTac); er ist es, wenn er die Fackel 
schüttelnd und so Licht ausstrahlend erscheint, wie er bei Sophokles Ant. 1146 als 
Beigenfahrer der Feuerhauchenden Sterne (nvQ nveornov yogay aarQwv) d. h. der 
Fackelschwingenden Mysten bezeichnet wird. Durch sein Beispiel soll er die 
Mysten zu gleichem Thun veranlassen. Ebenso wird Jakchos in der Strophe gebeten, er 
möge erscheinen und durch das Schütteln des Myrtenkranzes und das Stampfen mit dem 
Fusse dem mit dem Myrtenkranz^ geschmückten und reigen frohen Chore das Zeichen zum 
Tanze geben. Der Inhalt drückt also die sehnsuchtsvolle Erwartung des Gottes aus, 
welcher bacchische Begeisterung bringen und den Reigen führen soll. Daraus folgt, 
dass das Chorlied nicht von Tanz, sondern nur, wie bereits gesagt, von Flöten- 
musik und wie sich aus V. 157 ymI xQoroy yei^ov 7to7.vv entnehmen lässt, von zeit- 
weiligem Händeklatschen begleitet war. Die Worte yiiqei V. 372 und tußa Y.311 
zeigen, dass man auch bei dem Vortrag der folgenden Chorgesänge keinen eigentlichen 
Tanz, sondern nur eine y,irt-aig ifj^iarr^Qiog vorauszusetzen hat (V. 396 rov SvrtfiJioQov 
Tf^ode rr^g z^^c/a^). Für den Tanz eines grösseren Chores war eben die Bühne nicht 
geeignet *). 

Wir haben von einer Karikatur gesprochen: jeden Gedanken der Art werden die- 



*) Tanz Ton einzelnen Personen fand besonders in Stücken des Euripides t, B. in den Phoen. 
und im Orestes auch auf der Bühne statt. Ein Irrthum scheint bei der sonst trefflichen Erklärung, 
welche Fritzscbe von V. 649 

gegeben hat, obzuwalten. Fritzsche hat gesehen, dass KQtirtxag sich nicht auf Stücke, in denen kre- 
tische Personen auftreten, sondern auf die Verbindung der Monodieen mit hyporchemartigem Tanz be- 
ziehe (Tgl. Eccl. 1165 xoijr/xwjT ovy tto 7i66e xul av xirft). Wenn aber Fritzsche dabei mit anderen 
nach Lucian de salt C. 30 rrreXtet fify yrco uvioi X€u it^oy Xici (0()/ovyTOj (Iz* irrfiS^ xiyovfiiyujy to 
(iaS-ua r-^y taSijy iTtftctQumy, tTfisiyoy edo^fy uäXois «i*ro/V tn€e6ew annimmt, dass bei den tragi- 
schen Chorgesängen immer der eine Theil tanzte, der andere sang, so hat man bereits bemerkt, dass 
gerade ttiroi xiä fi6oy x€ei loQxovyro sich auf die Chortänze der alten Tragödie bezieht, während mit 
xiyovfjkiyvjy to ^a&^tc xrk. die zur Zeit des Kaisers Augustus aufgekommene Pantomimik gemeint ist 
(vgl. C. ö4 ovJtftXiti €c(i^(tfiiyij cV toaovroy xte^og drudtSayai, a}Xa xarct toy Ifßccatoy fdaXicra). 
Aristophancs tadelt vielmehr den m imischen, leidenschaftlichen und an das Ko- 
mische streifenden Tanz eines einzelnen Schauspielers auf der Bühne {/ioytü6iag), 
wo man bis dahin nur Buhe, Ernst und Würde zu sehen gewohnt war. 



15 

jenigen abwehren, welche in unserer Parodos eine sehr ernsthafte Nachahmung der Eleu- 
sinischen Feier erblicken die gemacht sei, um den Athenern einen Ersatz für die in der 
Kriegszeit lange entbehrten Eleusinischen Festgebräuche oder eine liebe Erinnerung an den vor 
kurzem von Aicibiades zur grossen Freude des Volkes veranstalteten Jakchoszug (Plut. Ale. 34) 
zu bieten. So heisst es bei M e i e r (a. 0. p. 22) : qnaerentibus cur poeta in hac fabula choro 
mystarum Jacchum deducentium usus sit, duae fere rationes apparent. Frimum enim illud 
fortasse Aeschyli causa fecerit, cuius de tragoedia merita in hac fabula nobilitantur ; 
namque Aeschylus non solum pago Eleusinius erat, sed etiam Eleusinia sacra vehementer 
colebat, unde Aristophanes in hac fabula v. 892 precantem eum facit: JrjfiriTeQ 7] 
&qixpaoa x\v ifii^v (pqiva. Dein quae brevi tempore ante editam hanc fabulam erat 
habita Jacchi deductio, adeo Atheniensibus accepta fuit, ut videri posset iucundum iis 
fore illam in memoriam redire. Die erste Vermuthuug entbehrt vollkommen des Grun- 
des: die Verdienste des Aeschylus und die Nachahmung der Mysterien stehen in keiner 
Beziehung. Die Veranlassung zu diesem Mystenchore hängt mit der ganzen äusseren 
Anlage des Stückes zusammen. Ueberall in unserem Stücke begegnen wir Parodieen 
Üuripideischer Stücke und Verse: so erinnert auch die Erfindung, dass Dionysos im 
Kostüme des Herakles in die Unterwelt geht, lebhaft an den "^HQaxlijg fAaivofievog 
des Euripides und zu V. 564 xat zo ^lq>og y eanäxo ^laivea&ai doztov bemerkt der 
SchoL xof^ TtaQ^ EvQtTtiÖT] (xaivoiievog ^HQaxXrjg Y.aL anüv to ^icpog, Ttqog toIto otv 
Ttaiui, Warum aber kann Herakles dem Dionysos vorhersagen, dass er die Einge- 
weihten in der Unterwelt sehen werde (V. 154)? Weil er sie selbst gesehen nach 
Eur, Herc. für. 613: 

ra fitaraiv d* oqyi evTvyr^a Idtov, 
Hier also haben wir den Anstoss zu der sinnigen Erfindung des 
Aristophanes zu suchen. Welche Nebenabsicht den Dichter leitete, wissen wir 
nicht. Dass er aber die Sache nicht so ernsthaft gemeint habe^ deutet er uns selbst 
an, wenn anders der V. 320 

(fdovai yovv rov ^'layLypv ovTteq Jiayoqag 
den Sinn hat, welchen ich ihm beilegen zu müssen glaube. Dieser Vers war schon 
den alten Erklärern nicht recht verständlich; manche dachten an den Diagoras, welcher 
anderswo wegen seiner Körpergrösse aufgezogen werde; andere wollten gar 8l dyoqag 
lesen: dg l47to}l66o)qog 6 Taqaevg xai q>aaiv ^'lay.%ov Xiyeiv ov qSovaiv i^ aoTecog 
öiä TT^g ayoqag i^iovreg elg ^Ekevölva; diejenigen aber, welche an den bekannten Dia- 
goras von Melos dachten, warfen die Frage auf, warum dieser hier genannt werde: %al 
6 fiev ^qiataqyipg Jiayoqov vvv fivrjfiovevetv ^rjatv ovx cog ^öovrog avrov rovg d^eovgy 
diX SV elqwveiff neifitvov xov Xoyovj ävvl rov x^'cfijoyrog, i^oqxovfiivov. dvaxivei ovv 
rovg lid^aiovg 6 xwfiixog' o&ey %ai o\ l/id^vaioi log dtaylevd^ovrog rovg d-eovg 
xarailJr]q)iadfi€V0L dvexr^qv^av rcp fiiv dvaiqr^aovri dqyvqiov tdXavxoVy xi^ de ^wvia xo- 
fiiaavTi ovo xre. Uns kann es nicht* zweifelhaft sein, dass hier Diagoras „der Atheist'^ 
gemeint sei, von welchem es in dem Schol. zu Av. .1073 r]v dTtoxxeivri xig vfiäv Jiayöqav 
xov Mt^Xiov, kaf4ßdvBiv rdhxvrov ?V re rcov rvqdwwv tig riva tcov redvtpcortüv dnoxzeivrjy 



16 

raJiayTOv la^ßaytiv h&ssi: ra uvoTrQia fjvrtXi^ey log noiXoi-g hiTQenetw zt^g re^rf c und 
welcher in seinen 0Qvyioi loyoi die Mysterien profaniert hatte (e^oqx^aofierov ra tioq ^^hy- 
vaiotg uvorr^Qia Tatian or. a. Graec c. 44 p. 96 ed. Worth). Dieser Diagoras aber 
lebte nach dem Schol. za q. St. xard ^lutovidr^v -Aal Tlivdaqov und rp/LiAo^le ot^ okvfi- 
jiiadi nach Suid. nnter JiayoQceg. Die Richtigkeit dieser Angaben hat Fritzsche er- 
wiesen. War aber Diagoras znr Zeit der Anfföhmng der Frösche wie der Vögel todt^ 
so kann der Scherz oder Spott üvjt€q diayo^ag nicht auf Diagoras berechnet sein. Die 
Meinung des Schol., dass der Dichter die Athener gegen Diagoras aufstacheln wollte, 
worauf auch dessen Verurtheilung erfolgt sei, ist eine unmögliche Erklärung, welche 
übrigens nicht mehr dem Aristarch anzugehören scheint. Die neueren Erklärer gehen 
hierüber leicht hinweg; Fritzsche bemerkt: Diagoram si in Nubibus Avibusque meiuo- 
rarc per aetatem licuit, licuit profecto etiam in Sanis. Aber in den beiden Fällen steht die 
Sache ganz anders. In den Vögeln liegt eine besondere Anzügliclikeit darin , dass ein 
Preis auf die Tödtung eines Todten gesetzt wird, in den Wolken V. 830 heisst Sokrates 
6 Jl//;iUog, um den Sokrates als einen zu bezeichnen, der die alten Götter aus ihren 
Himmeln werfe (o Jiayoqag i'yqail^E tovg '/.aXovulvovg ajiOTtvqyiZoviag koyovg, m'uyvjqr^atr 
avTov xai aKuccjatv tyoyrag rr^g Treqi O^eQv doSr^g Said, unter d:rorrvQyi^orrig u. a. ). 
Zu oy/r€Q JiayoQag ist natürlich lidei zu ergänzen; den Sinn der Worte aber kann ich 
nur in einem Scherz auf die eigene Nachbildung der Mysterien er- 
kennen. Wir wissen, wie empfindlich die Athener in diesem Punkte waren, und 
wissen aus Arist. Eth. Nikom. III 2, dass Aeschylus eine Anklage zu bestehen hatte, 
weil er aus den Mysterien manches auf die Bühne gebracht und dadurch entweiht zu 
haben schien. Aristophanes tröstet im voraus sein Publikum damit, dass er nicht die 
eigentlichen heiligen Mysterien, sondern die profanen Mysterien eines Diagoras nach- 
ahme d. h. dass er nur mit ganz äusserlichen Dingen und unbedeutenden Gebräuchen, 
in denen das eigentliche Wesen der Mysterien nicht zu suchen sei, harmloses 
Spiel treibe. 

Diese Andeutung des Dichters bietet uns einen Anhaltspunkt für die Bestimmung 
des Verhältnisses, in welchem die Nachahmung zu den wirklichen Mysterien steht. Am 
besten lässt sich dieses Verhältniss aus den Gesängen V. 372—393 erkennen. In den 
zwei letzten Systemen 384 If. wird Demeter angerufen, sie möge ihren Chor schützen 
und den ganzen Tag ungestört scherzen und tanzen lassen. Die Worte 

y.cu Goj^e Tor oavzi^g yoQoy 

xai i/ doifaUog Travi^ueQoy 

jialGai T€ y.al ypQevaai xrl. 
sind so gewendet, dass sie auch für die Mysterien passen; der eigentliche Inhalt und die 
eigentliche Absicht aber gibt sich in 

jiaiaayra vmI (TÄOJif'avra vi'Ai^aawa raiyiova&ai 
ZU erkennen: der Chor wünscht sich den Sieg scheinbar in den Eleusinischen 
Agonen (vgl Meursius c. 27, Mommsen Heortologie S. 229), in Wirkhchkeit in dem 
seenischen Agon (vgl. Av. 445); der Kranz war die gewöhnliche Auszeichnung des 



17 

siegreichen Dichters und Cboregen. Noch deutlicher tritt die Wirklichkeit an die Stelle 
der Illusion in V. 377 ff. 

akk aiipa xcü7tcos aQetg 

TTjv acoreiQav yevpaicog 

Tjj qxovfj lioXjiäCfiJVy 

ij tfjv %ioqav 

aqjKeiv (pifl ig rag üqag 

Tcav &coqvv.i(üv fi^ ßovXrjrai. 
Man hat gestritten, welche Göttin unter aciteiQa verstanden werde. Der Scholiast denkt 
an Athena: iaciv ^O^rjvr^ai l^xhjva aioTeiQa leyofdivr] rj y^al drofiaiv, Spanheim 
deutete trotz V. 382 f., wo erst Demeter ausdrücklich angerufen wird, den Namen aut 
Demeter; die Inschrift einer Münze Koqyj ountiqa Kv^iyijjvoiv galt ihm desshalb nicht 
als Gegenbeweis, weil auf anderen Münzen Demeter als Soteira bezeichnet werde. 
Fritzsche de cann. myst. p. 74 hat aus Aristoi rhet. III 18 und Paus. III 13, 2 
^ct^edai^ovioig di aTtavviviqv ztjg *0Xvfi7iiag Lifpqodirvß eaxi . vadg Kogrjg acoveiQag 
(vgl. VIII 31, 1 Tjjv KoQtjv öi 2(jiv€tQav 'naXovoiv oi l^Quadeg) erwiesen, dass an 
Köre, nicht an Demeter zu denken sei. Wenn aber Fritzsche in Rücksicht auf die Münzen, 
auf welchen Demeter aciteiga heisst, bemerkt „Ceres sicubi öiozeiqa dicitur, dicitur ob 
Froserpinam^S so ist das gewiss unrichtig; (XcJrei^a ,,Schutzpatronin*^ ist ein allgemeiner 
Name und an verschiedenen Stellen konnte eine verschiedene Göttin als acoteiQa be- 
trachtet und bezeichnet werden (vgl. Paus. I 40 2 ayalfxa x^^'^^^^ ^/iqre^idog iTti- 
iiXr^aiv2nn:eiQag)^vfenn gleich die Erklärung von Hesychius ^ctJrc/^a- '^ ^id^r^va Ttaqd rötg 
^'EkXr^aiv zeigt, dass in hellenischen Städten vorzugsweise Athena als „Schutzpatronin" verehrt 
wurde. Gerade diese allgemeine und unbestimmte Bedeutung des Wortes owreiQa eignete 
sich für unsere Stelle: für die äusserliche Illusion des Mystenchores ist 
acireiQa die mystische Göttin Köre, in Wirklichkeit aber ver- 
stand man darunter die attische Schutzpatronin Athena, welche 
das Land schützt Schurken wie Thorykion zum Trotz (xaV QcoqvaIcjv 
larj ßovlijTai). Darum geht die Aufgabe der Ko>e, die Saat während des Winters zu 
schützen, damit sie im Frühling gedeihe und zur Reife gelange (elg ojqav)^ in die Auf- 
gabe der Athena über, das Land für alle Zeit (elg rag wqag) zu schirmen. Wir 
bemerken nebenbei, dass dieser üebertragung der Gedanke an die ycd^odog, nicht an 
die avodog der Köre zu Grunde liegt. Eine solche Vorstellung aber eignet sich nur 
für die Eleusinien und wir gewinnen damit einen zwar nicht durchaus entscheidenden, 
aber immerhin beachtenswerthen Beweis gegen die schwach gestützte Ansicht von 
E. Gerhard (Philol. XIII S. 210), welcher die Beziehung der Parödos auf die Eleu- 
sinien nicht ablehnt, vielmehr für unzweifelhaft sicher hält, dagegen aber glaubt, dass 
der an Zeit- und Ortsbezügen so überaus reiche Komiker Anspielungen auf einen Jakchos- 
zug bei den zu Agrae unweit des limnäischen Diouysostempels gefeierten kleinen Myste- 
rien damit verbunden habe, weil die Hochstellung der Köre, welche vor Demeter und 
Jakchos angerufen werde, mit dem Festgebrauch von Eleusis kaum vereinbar, den kleinen 

8 



18 

Mysterien aber nach schol. zu Arist. Flut. 646 eigenthümlich sei. — Die Analogie der 
beiden behandelten Stellen gewährt uns einen Anhaltspunkt für die Erkläining der vorher- 
gehenden Strophe: 

Xci^t vvv Ttag dpdQtiwg 

elg rovg evavd-eig nohtovg 

leifiiovwv iynQovcov 

xaTiiaiiCüTCTCüv 

•Kai Ttaluixiv xat x^'^^^^' 

'^qiaTTjjai ^ i^aqrAOxvTOjg. 
Brunck und Fritzsche schreiben r^lazevtaiy welches nach Brunck den Sinn „satis 
enim in peragendis hie sacris emicuit Studium nostrum", nach Fritzsche den Sinn 
,,satiä iara bestes devicimus^' haben soll; Kock und Meineke i^yiarewai „wir sind 
nun lange genug ernst und fromm gewesen.'^ Diese beiden Aenderungen bringen nur 
an Stelle des bestimmten Ausdrucks eine allgemeine Redensart ohne Pointe. Die beste 
und schönste Aenderung, die vorgebracht worden, ist jedenfalls die von Halm (Rh. Mus. 28 
S. 209) r^alTyjtai ; denn hierin ist eine bestimmte Beziehung auf die Mysterien, nämlich 
auf die langen Fasten, welche die Eingeweihten durchzumachen hatten, enthalten und eine 
scherzhafte Beziehung auf die Wirklichkeit lässt sich leicht denken. Allein das überlieferte 
-^Qiovritai scheint richtig ; denn wie in der Antistrophe und dem folgenden Strophenpaare 
finden wir auch hier an der Stelle einer mystischen Vorstellung naQ^ vTiovoiav einen der 
Wirklichkeit entnommenen Scherz. Die Erklärung dieses Scherzes hat Bernhard j 
Gr. Lit. II (1845) S. 656 in der Notiz bei Athen. XI p. 464 ff. gefunden : Ud^r^vaiot 
TÖig JiowaiaKoig aycooi ro fiiv TtQcoroy i^giarrpcoTeg xal TceTViaxoreg eßadiZov tTti tiv 
d-ictv xat iar€g>avt(}fiivoL e&eciqovv, ^aga di rov dycova Ttavca oivog avröig i^voxotixo 
xal TQayr^fiara naqecplQ^o xat ro7g x^^^S Biatovoiv evixtov mveip xai dir^ytjviafitvoii 
oV e^trcoQeiovTo ivexeov ^dliv,* Bernhardy bemerkt: „jenes t^giarrj-Aoreg erläutert den 
Scherz des Aristophanischen Chors (über die vielen materiellen Genüsse der Choreuten 
s. S. 631) in Ran. 370 i\qiairjjat ^ eSaQyiotvrcog^ von Brunck missverstanden*\ Bern- 
hardy drückt sich nicht sehr deutlich aus. Offenbar spricht der Chor von der reich- 
lichen Bewirthung, die er vor der Vorstellung erhalten. Wie die Znschauer, bevor sie 
ins Theater gingen, ordentlich assen und tranken, so wurde der Chor vorher von dem 
Choregen bewirthet (vgl. die von Bernhardy S. 631 angeführte Stelle Plut. de glor. 
Athen, p. 349 oJ de x^Q^u^'' ^^'S x^Q^^^^^^9 iyx'^Jua utat -d^gidama xat ax^^äag r.al 
fiveijdv TxagaTid^tvxtg evioxow eirt Ttokvv XQ^^^^ q^covaaxovfitrovg xat Tgvq^oiTag — 
natürlich ebenso am Tage der Vorstellung, wie während der ganzen üebungszeit). Der 
Chor spricht also dem Choregen seine Anerkennung aus für die 
Mahlzeit, mit der er vor dem Auftreten bewirthet worden*). Vergl. 

) In dieser Stelle der Frösche glaubte ich für die vielbebandelte Frage über die Eeihenfolge 
der sccnischen Aaffuhrangen einen Anhaltspunkt gefunden za haben, als ich ans Sanppe's Abband- 
lang über die Wahl der Richter in den musischen Wettkämpfen an den Dionjsien (in den Ber. über 
die Verb. d. k. sachs. Gesellsch. d. Wiss. zu Leipzig philoL-histor. Kl. XII 1855 S. 19) erkannte, da» 



19 

Ach. 1155 Ov; / ^li tov rXrjf.ioya h!]vaia yoqrjycov d/rü^o adeinvov. Ein solcher 
Scherz aber kann nicht mir nichts dir nichts angebracht werden; es muss in eiiier Vor- 
stellung oder einem Gebrauche der Mysterien eine Anknüpfung vorhanden sein. Dieser 
Gebrauch ist der Genuss des Kykeon, welcher „den Uebergang von 
der Trauer zur Freude machte'' (Preller in Pauly's R. Enc. unter Eleusinia 
S. 101). Welche Bedeutung der Trank des Kykeon hatte, zeigt d^.avvd^rj^a ^Ekev- 
aivicov f,tvGTrjQUov, welches Clemens Alex. Protr. II p. 6 Sylb. p. 18 Pott, überliefert 
hat: ii^rjarevaa, iWiov %6v xfxewva, tkaßov ^x yiiatr^^y syyevadfievog ajteO-i^irpf elg 
TtdkaO^ov ycat ex 'AaXdx^ov eig xiatrjv *). An die Stelle von l'niov rov xvxecova tritt das 
profane -qqiatrjftai 6" e^ciQxovyvcog. Wir sehen an diesen drei Beispielen recht deutlich, 



Bergk in der len. Literaturzeitung 1844 S. 1218 die nämliche Stelle zum Beweise des Gegentheils 
von dem, was ich im Sinne hatte, benutzt habe. Bergk glaubt nämlich aus dieser Stelle schlicssen 
zu können, dass an den Lenäen , an welchen die Frösche gegeben wurden , die Komödien auf den 
Nachmittag fielen. Bergk fasst aotaruy im Sinne der um die Mittagsstunde eingenommenen Mahlzeit, 
Allein da wir aus Aeschin. 3, 76 äfdu Xß inf^£Q€f ijyfiTo roig TtQSaßeüty ^ig to ^iccXQoy wissen, dass 
«iie theatralischen Vorstellungen mit frühem Morgen begannen, so ist klar, was ti^taxrixotfg in der oben 
angeführten Stelle des Athenacus bedeute. Man muss sich nur zum Bewusstsein bringen, dass eine 
auch am frühesten Morgen eingenommene grössere Mahlzeit nicht miidnQKXMfin^ 
sondern nur mit u^taxoy bezeichnet werden kann und dass bei uxQaxtfsa^at und a(ii(tray in 
erster Linie die Art, nicht die Zeit der Mahlzeit in Betracht kommt. Die angeführte Stelle 
des Athenaeus sowie die mit mehreren Stellen belegte Besprechung des Gebrauches von dx(H(xiifüd€ti 
und aQiaxav ebd. I p. 11 B — E und die Natur der Sache lässt erkennen, dass auch in unserer Stelle 
tjoi(fXfiXf€i das in der Frühe vor den scenischen Spielen eingenommene Essen bedeutet, und da der Scherz 
nicht angebracht ist, wenn die Mahlzeit nicht unmittelbar der Vorstellung vorausgegangen, so muss man 
schliesscn, dass an den Lenäen die Komödien den Tragödien vorausgingen. Dies wider^ 
spricht allerdings der gewöhnlichen Annahme, nach welcher an den grossen Dionysien die Komödien, an den 
Lenäen die Tragödien zuerst aufgeführt wurden. Allein die Stelle, auf welche man nach Boeckh 
über die att. Lenäen u s. w. S. 79 (Kl. Schriften V S. 101) jene Annahme gestützt hat, nämlich das 
Gesetz des Euegoros in Demosth. 21, 10 oxay ß ini Atiyaita 17 nofinri xal ol XQ€<yt^6oi xui ot xtüfto)- 
6oiy xal xoig iy uaxfi Jiovvoioig 17 TtofATf^ xai ot ntti6ig xai 6 xatfiog xai oi xü)ft<o6oi xtti ol XQic- 
yü}6oi, ist durch Westermanns Untersuchungen über die in die attischen Redner eingelegten 
Urkunden als unecht erwiesen und hat, wie Sauppe bemerkt, für unsere Frage keine Bedeutung. Es 
widerspricht dem auch die Stelle, welche den einzigen sicheren Anhaltspunkt für die grossen Dionysien 
an die Hand gibt, wie Becker Charicl. I S. 320 gesehen hat (vgl. Wieseler Advers. in Acsch. 
Prom. et Arist. Av. c. VI), nämlich Aristoph. Av. 787: 

fira Tiftymy xotg /oQoiffi xtSy x^ay(i}6iüy ?/^^ro, 

Bxnxofifyog ny olxog ^Qifjxiiaty iXO-aty oüc€<6f 

XttX* iiy €ii7iXfjrx9fig iif' tififig add'ig «t^ xaxinxfxo. 
Natürlich kann der Dichter , wenn die Vögel an den grossen Dionysien gegeben wurden , nicht die 
Lenäen im Auge gehabt haben. Die Aenderung von Bentley und Scaliger xtSy x{>vy(^6tay ist an 
und für sich bedenklich. Die Ansicht, dass an den grossen Dionysien die neuen Tra- 
gödien, an den Lenäen (wie an den ländlichen Dionysien Xen. Oec. 3, 7) die neuen 
Komödien zuerst aufgeführt wurden, scheint auch der Natur der Sache besser zu entsprechen. 
') Dass xißxri in dieser mysteriösen Formel den Erdboden bedeutet, in welchen das Samenkorn 
gelegt wird (vgl. Schömann Gr. Alt. II" S. 374), zeigt die gleiche Bedeutung von xiaxri in der 
Erichthoniosmythe (ÄppoUod. III 14, 6, 4). 

3* 



20 

welchen Gebranch der Dichter von den heiligen Gebräuchen der Mysterien gemacht hat 
und was er sagen will, wenn er vorausschickt, die Mysterien die man jetzt zu sehea 
bekomme seien Mysterien ä la Diagoras. K. 0. Müller (Bhein. Mus. V 1837 
S. 344 f.) bemerkt über den Mystenchor der Frösche folgendes: „'Dio Rolle der selige 
Eingeweihten 9 die dieser Chor spielt, ist nichts als eine Maske, die er nach der Laune 
des Dichters bald vorhält bald auf die Seite schiebt, seine eigentliche Bedeutung ist 
die des komischen Chors^' und „Aristophanes lässt gleichsam eine lyrische ürkomddie 
durch den Chor auffahren, wie sie in den Festgebräuchen des Dionysos- nnd Demetcr- 
kults gegeben war, und fortwährend die sanktionirte Grundlage der dramatischen Komödie 
bildete/^ Diese beiden Bemerkungen enthalten eine gewisse Wahrheit, während der 
Grundgedanke nicht richtig ist. Der Chor behält seine Rolle während der ganzen Pa- 
rodos bei; aber diese Rolle beruht von Anfang an nicht auf der Absicht die Mysterien 
irgendwie in ernsthafter Weise und treuer Nachbildung darzustellen, sondern ist gewählt, 
nm als Form für einen parabasenartigen Inhalt zu dienen. Mit der 
lyrischen ürkomödie hat darum dieParados soviel gemein als es die Parabase oder viel- 
mehr der Inhalt der Parabase überhaupt hat; dagegen schliesst sich die äussere 
Form der Parados den gewöhnlichen Eleusinischen Festgebräuchen an und von einer 
Absicht des Dichters eine lyrische ürkomödie auffuhren zu lassen kann keine Rede 
sein. Es wäre aber auch Unrecht die Parodos für eine Parabase zu halten und 
mit 0. Müller (ebd. S. 347) von einer halbierten Parabase zu sprechen; es fehlen 
ja gerade die beiden oder wenn man will die drei Hauptmerkmale der Parabase, 
das ^qog t6 d^iaz^v naffaßrjvai^ die Aufhebung der Illusion und die Leere der Bühne. 
In Betreff der Aufstellung des Chors sagt 0. Müller (S. 346): „Soviel ist klar, 
dass während dieser parabasenartigen Parodos der Chor sich gegen die Zuschauer hin- 
bewegte, sowohl bei den Anapästen evq^r^^elv xQt] (V. 354 ff.) als auch bei den jam- 
bischen Spottversen ßovlea&e öTja non'i (V. 416 ff.). Jedoch muss der Chor sich 
hernach gegen die Bühne hingewandt haben, da er an den Verhandlungen des Dionysos 
und Xanthias mit dem Aeakos ermunternden und berathenden Antheil nimmt. Dabei 
darf es aber nicht befremden, dass hernach, da die Personen der Bühne abgetreten sind, 
der Chor ohne das regelmässige itagaßatveiv sich gleich wieder in dem e/r/^ij/ia nnd 
dvitJtiQijrifia an die im Theater versammelten Bürger richtet." Allerdings muss man 
bei dem Inhalte der Anapäste evq^r^fielv xQ^] xrf. erwarten, dass der Vortragende sich 
gegen die Zuschauer richte, dass demnach auch der Chor eine entsprechende Stellung 
einnehme; aber eine Wendung des Chors, wie sie in der Parabase stattfindet, ist durch 
nichts angezeigt und würde, solange die Illusion des Mystenchores festgehalten wird, 
unnatürlich erscheinen. Wenn dagegen der Chor durch die Scenenthüre auftritt, wie 
wir annehmen, so hat er au und für sich eine den Zuschauern zugewendete Stellung, 
wie sie für den Vortrag jener Anapäste, nicht aber für die Spottgesänge ßoileo^t di^ra 
xoivfj xTf. geboten erscheint. Es fehlt aber auch bei der wirklichen Parabase unseres 
Stückes das Ttaqaßaiveiv (vgl. Ach. 629, Equ. 506, Pax 735) nicht, welches 
durch TOVTToAt'v oU'Ofiivr^ Xaiovox^ov ov ooipiai ^vqiai TLad^r^vxai 



21 

(V. 676) angezeigt ist'). In Folge der Anlage aber, dass der Pseudofaerakles in 
der Unterwelt natürlicher Weise ebenso die Mysterien schaut wie der leibhaftige Herakles 
und dass der Mystenzug sein Ziel in der Orcbestra hat, wo er scherzen und tanzen 
will, wird die Illusion des Spieles keinen Augenblick aufgehoben. 

Wenn der Dichter angeregt durch die oben angeführte Stelle des Euripides in der 
Aufführung eines Mystenchores ein geeignetes Mittel erblickte das Auftreten des Chors 
zu motivieren und die Parodos mit Scherzen auszustatten, die sonst nur in der Parabase 
anzubringen waren, so brauchte er desshalb nicht eine getreue und ängstliche Nachahmung 
der Mysterien zu geben, sondern konnte vor einem Publikum, welches die Beziehungen 
und Anspielungen sofort erkannte und wohl verstand, äussere Formen ganz seinem 
Zwecke entsprechend nach Belieben verwerthen. Enger (a. 0. S. 308) ist anderer 
Meinung. „Wie gross auch, sagt er, die Freiheit der Komödie angenommen werden 
mag, so wäre es doch eine nicht zu rechtfertigende Willkür, wenn der Dichter nach 
dem Zuge uns nach Eleusis, dann wieder zurück auf den Zug, und schliesslich wieder 
nach Eleusis versetzte. Vielmehr stellt der Mystenchor weiter nichts dar als den Zug 
von Athen nach Eleusis d. h. in der Unterwelt von dem Xetfidv^ an dem Dionysos und 
Xanthias nach dem axozog und ßoqßoQog angekommen waren, bis zu dem avd^rjQov Vleiov 
danedov unmittelbar vor dem Palaste des Pluton". Wir wollen nicht voraus bestimmen, 
wie viel die Komödie sich gestatten dürfe, sondern die Thatsachen sprechen lassen; 
bemerken aber gleich, dass es einen grossen Unterschied mache, ob der Dichter den 
Jakchoszug von Athen nach Eleusis darstellen wolle oder nur 
diesen Zug als Mittel zum Zwecke betrachte. Zu dem ersten Verse des 
ersten Chorjgesanges (V. 324) bemerkt der Schol. f^ia riHv lAvarrjquov eatlv rj eindg iv 
l Tov^'lcmxov i^dyovaiy erinneirt also an den 20. Boedromion, an welchem der grosse 
Jakchoszug von Athen nach Eleusis stattfand. Der Ausdruck av di lafindöc ^eyywv 
TtQoßaöfjv t^ay in ävO^rjQOv Vleiov äditedov xoQO/coiov pidy.aq ^'/9ai/ gemahnt selbst 
an die gewöhnliche Bezeichnung dieses Zuges mit i^dyeiv zdv ^'laxxov (Plut. Cam. 19 
Tceqt avrr^v Tr^v eixada rov BorjdQOf^uuvog rj rov /Avarindv ^'laxyov i^dyovaiv^ Them. 15 c^ 
avi>qi07t(x)v ofÄOv TtokhZv rcv ^ivarixov i^ayovriov ^'laxxov^ Schol. u. Hesych. unter "/ax^ov . . 
(Aiav f^fjtQav Twv /AvarrjQuov iv fj rov '7ax;foi' i^dyovaiv). Die Rücksicht auf diesen 
Zug muss also fest stehen und die Ansicht von Meier (a. 0. S. 23), welcher an die 
Lenäen denkt, kann gar nicht in Betracht kommen. Geht aber der Zug von Athen nach 
Eleusis von einer Wiese aus oder führt er nicht vielmehr auf eine Wiese? Wir sehen, 
die Beziehung auf den Jakchoszug besteht nur in Worten, in der That ruft der 



I 



') Nebenbei sei bemerkt, dass sich das Ende der Ode enl ßaQßaQoy i^ofiipri TriraXoy xfXagvi^ft 
durch die Verbindung der verscbiedenenVermuthungen von Fritzscbe nitttXoy rpr^«, Bergk ont 
(woran auch ich gedacht habe) ßn()߀tQüy ^6ofiiyji nitvXoy, Meineke vnoßu()ßaQoy kiofjiiyri xeXaicy 
ivifi herstellen lässt: oni ßugßagoy ilo^uiyri xiXaöoy tQvSfi^ Wegen der von Kock beanstandeten 
Stellung des Particips i(of4iyri verweise ich nur auf die Entfernung des Substantivs X9^^^^ ^* '^^^ 
von ov noXvy V. 708. 



22 

Chor mit einer bei Aristophanes gewöhnlichen Hereinziehung der Wirklichkeit ^) den 
Jakchos, welcher in Athen wohnt (w noXvrtiioig ev Vd^ig iv^ade vaUüv) an, 
in dem Xei/^iuiv des Theaters zu erscheinen, um die dionysische Feier der Komödie in 
Scene zu setzen und zu diesem Zwecke den Chor exr^ dvO-rjQov VXecov öantdoy hinaas- 
zufuhren. In den folgenden vom Chorführer gesprochenen Anapästen hat man unter 
Anleitung des Schol. zu V. 369 naqa x^^v zov ieQoq^iTov ycat daöovyov nqoqqrfiiv *r 
x^ TTor/Jlrj azo(e eine Nachbildung der feierlichen nQOQQr^oig gefunden. Offenbar siebt 
die Bemerkung des Schol. dessbalb bei V. 369, weil gerade die Worte tovtov (so M e i e r 
für TovToig) ajxavdu) xav^ig anaiduj navO-ig to tqitov iiaÜ dTtavdcj der Formel der 
jtQOQ^r^oig wörtlich entnommen sind. Die Beziehung, welche in V. 356 yervaUor o^yict 
3I0VOCÜV firii eldev fAi^z ix^qevaev liegt, haben wir berührt. In V. 355 oartg a.retQog 
Touovde Xoyiov (näher bestimmt durch V. 357 ^i^Si KQarivov rov ravqotfdyov yXiuVTt^g 
ßaxxei ireiJa&r;i) ij y^'OJj^iS /«^ xaOaQevei ist die Formel q^covr^v avviTog und 
xelqag oder ilfvxr]v -/.aO^aQog (Isoer. Paneg. c. 42, Libanius or. Corinth. t IV 
p. 356, Celsus bei Origenes 1. III p. 147 ed. Spenc. vgl. Lobeck Aglaoph. p, 15) 
berücksichtigt und zweckentsprechend umgestaltet. Das Ganze ist eine Ansprache an das 
Publikum, jeder auovaog, der nicht das rechte Verständniss für den Scherz der Komödie 
habe, uncl jeder, der es mit dem Vaterlande nicht redlich meine, solle abtreten 
und sich aus dem Theater entfernen. Auch zeigt sich recht deutlich, wie der 
Dichter die Formen der Mysterien zu seinem Zwecke gebraucht hat. Wir haben keine 
Nachricht darüber, an welchem Tage der Eleusinien die Prorresis des Hierophanten und 
Daduchen in der Stoa Poikile stattgefunden habe; gewöhnlich (vgl. Schömann Gr. 
Alt. II* S. 369, anders A. Mommsen Heortologie S. 246) verlegt man sie auf den 
ersten Tag, den Versammlungstag (dyiQjnog . . . twv uvatfjQU'Jv ijfUQa .rqi'jrr^ 
Hesych.), was nach Isoer. 1 c. Ev^ohcidai xai Kt^Qixeg iv TJj relerjj xiov /nvart^' 
^iiüv Tolg ßaQßaootg tiQyea&ai tojv uqvjv üairiq Tolg di'dqoqovoig n QoayoQei'Ov 01 
um so wahrscheinlicher ist, wenn an diesem Tage die Einweihung in die Mysterien vor- 
genommen wurde (vgl. Meursius 1. c. c. XXII). Wollte man aber auch die Prorresis 
mit dem Zuge nach Eleusis in Zusammenhang bringen, so würde die Natur der Sache 
verlangen diese Ceremonie als Anfang und Beginn des Zuges zu betrachten. Die Pror- 
resis schliesst mit den Worten: vfutlg cf dveyetQize fAohii^v xal Ttavviyjdag rag ff-ieva- 
^g a'i rf^dt TTQijrovoiv to^zf^. Enger bemerkt dazu: „In dem folgenden erhalten wir 
nur die ^oLrt[, die TTavyvyig soll erst in Eleusis gefeiert werden, und da der Chor die 
Feier nicht zu Ende fuhrt, Bndet sie gar nicht Statt." Vielmehr zieht der Chor 
am Schlüsse der Parodos in die Orchestra, um dort eine Pannychis eigener Art 
{rtavyvxidag zag i^^tziqag a'i rf^de Tzga/rovaiv iogtr^) zu feiern. Die ganze Auf- 

) V. 129 heisst es xaS'iQnvaoy vvv fig Kf(i€<fAnx6y, Nichts desto weniger sagt die Hypo- 
thesis: ov 6f6riXuttttt fiiy oitov iariy if axr^rl' eiXoyturaroy 6' iy Ör,߀ag' xai yuQ o* Jtoyvaog ixfid^y 
xai 7t(t6g toy 'llQ€exXitt t((ftxyfitai Oijßfdoy oyrn. So wertlilos diese Meinung ist, halte ich doch die 
Bemerkung oiJ 6f6iiXfüTfa örtov daziy ri axriyri für richtig trotz V. 129 und kann v. Leutsch a. 0. 
S. 130 f. nicht bcistiroroen. 



23 

fordernng aber kommt dem Chore des Theaters, nicht den Eingeweihten zu: Es folgt 
eiu Marschlled und ein Lied an die Demeter, welches mau sich noch auf dem Jakchos- 
znge gesungen denken kann. Nun aber heisst es in dem nachher kommenden Jakchos- 
liede "/axxc noXvTif,t7}re ftilog ^) eoQzijg rjdiaxov evqdv wider Erwarten %ai del^ov dg 
avev novou /roAAryv odov ntqaiveig (V. 401), wozu der Schol. bemerkt: tovto, inet 
odevovaiv 07x6 tov KeQafieixov elg ^EXevalva 7tqojti^7iovxeg tov ^'laY^^ov. Darnach 
sollte man meinen, der Zug stehe noch am Anfang des Weges und rufe den Gott her- 
bei, um ihn auf dem weiten Marsche zur Göttin zu begleiten {öevqo ovva%oh)vd^ei 7tq6g 
Tr}v x>e6v), zumal die Vorstellung bestand, dass Jakchos den Mystenzug von Athen nach 
Eleusis führe (tov ^vefiTcoQov Triade rf^g yoqeiag). Unmittelbar darauf folgen die 
Gephyrismen; denn mit Recht (vgl. Fritz sehe de carm. myst. p. 87) hat man in den 
axcüfii.iaTa V. 416 ff. eine Nachbildung der yeq^QiOfxot gefunden, welche bei der Brücke 
des Kephisos stattfanden. Wir sehen, dass der Dichtung des scenischen Mystenzuges 
allerdings das Bild des grossen Jakchoszuges mit seinen Opfern (V. 338 n^atnvevae 
Twv xoiQsicov TiQewv)^ Tänzen und Neckereien (Plut. Ale. 34 ovdtva xoofiov eixev t] 
TeXertj Ttejunofiivrj Tcard O^ahxTTav, aXXd aal d-vaiai y.(xI xoqelai xat nolkd rcov 
ÖQit}f.itvcov xaO- oöov iegiuv ovav i^ekavvwai tov ^'Iccxxov V7t dvdynrjg e^eXei/tero) vor- 
schwebte, dass aber nicht die Dichtung dem Zuge, sondern die vom Zuge 
entlehnten Ausdrucke und Gebräuche der Dichtung angepasst sind. 
Der Dichter hat für seine Unterwelt einen eigenen Jakchoszug geschaffen, der mit dem 
wirklichen nur Aeusserlichkeiten gemein hat. Wir können vermuthen, dass er damit 
dem athenischen Publikum einen grösseren Gefallen erwies als mit einer sehr getreuen 
Darstellung der wirklichen Feier. 

Die Mysten treten auf Männer und Frauen und singen vereint Strophe und 
Antistrophe. Nach diesem Gesang spricht der Führer des Männerchores, der eigentliche 
Koryphaios, als Hierophant die TtQOQQr^otg. Darauf sondern sich Männer und Frauen und 
beide Theile treten zu Halbchören (vgl. Schol. zu V. 372 ivretd-ev UqiaTaqxog ine- 
voT^oe fjiri okov tov yoqov elvm tcc nqvjTa) auseinander. Die Aufforderung V. 370 und 
382 f. richtet der Führer des Männerchores an seinen Chor. Die Aufforderung V. 394— 97 
werden wir wegen der Responsion mit V. 440—443 dem Daduchen als Führer des 
Frauenchores zu geben haben. Darnach müssen auch die beiden ersten 
Strophen des Jakchosliedes den beiden Halbchören der Frauen 
oder vielmehr, wie die dritte Strophe zeigen kann, Einzelpersonen 
der beiden Halbchöre gehören, während das eq>v^vtov\ ^'laicye q>iXoxo- 
Qevzd ovfÄTtQOTtBiiTti /je vom gesammten Chore vorgetragen wird. In Be- 
treff dieser Theilnahme der Frauen am Gesänge hat Fritzsche de carm. myst. p. 11 
die Ansicht aufgestellt, dass die Frauen getanzt, nicht aber gesungen haben, p. 82 aber 
bemerkt „ceterum aliquando putabam hanc mediam stropham (404—408) a mulieribus 

*) Mit Unrecht von Meineke in tiXoc geändert: fv^ojy ist wie in der zweiten Strophe 
^i^v(iff von dem Gotte gesagt, der den Anläse dazu gegeben. Es soll ja gerade das fisXos f^v- 
ariKoy (Aristid. I p. 419 ed. Dind.) bezeichnet werden. 



24 

cantatam esse easdemque malieres post ?. 413 in re param decora prae pudore obti- 
caisse". In seiner Aasgabe (p. 187) nimmt Fritzscbe diese Ansicht zurück und be- 
stimmt «,duo canunt bemicboria, alterum virorum, alterum femiuarum, ut in Lysistrata, 
ubi V. scbol. ad y. 321. Mulieres bic cecinerunt antistropbos, primam v. 340^-353, 
secundam v. 377 — 381, tertiam v. 389—393, tum mediam e tribus paribus strophis 
V. 403 — 407. Sequuntur v. 416 sqq. sex pares stropbae cbori TfLavd tt/cr, ut Tidetar, 
dispositi. Uarum stropbarum mulieribus tribuo secundam v. 419 — 421, quartam v. 
425—427 et seitam v. 434—436.*' Die erste Antistr. 340—353 kann scbon w^en 
yBQovTatv Y. 345 kaum von den Frauen allein gesungen werden. Bestimmt aber darf 
die Antistropbe V. 389—393 nicbt den Frauen gegeben werden, weil der Fraueachor 
keinen Tbeil an dem sceniscben Siege hat. Richtig aber bat Fritzscbe gesehen, dass 
die Strophe 403—407 den Frauen gehört. Sie lautet: 

Gv ydq xaTeaxiob) fih int yiJUan. 

%a7t evTeleiif zovde aavdaXiaxov 

i^^vQtg war d^r^fiiovg 

naiCeiv tc xal xoqeieiv. 
Die Handschriften haben rordc tov aavdcdioicov und nd^ev^eg, nur der Ra?. hat i^eiQeg. 
GewöhDÜch liest man nach Beutle y's Aenderung t6v ze aavdccHaxov ; nur Bergk 
vermutbet rode to actydaXlaxov. Weil aber im Kav. xaracxioo) steht, hat Kock 
xaraaxioco ^ev in 'Aazaaxiodiievog geändert und Meineke ist ihm gefolgt. Allein 
xcrraaxioiü iur naTtaxiOO) ist ein sehr einfacher Schreibfehler. Die richtige Behandlung 
von Tovöe tov aavdccXioxov, worin tov in gewöhnlicher Weise zu rovSe 
hinzugetreten, zeigt, dass an der Lesart des Bav. weiter nichts zu ändern ist. 
Das beweist auch Suid. unter ^xog: liqiotoipdvrß' av ydq to ^xog i^evQeg. Wenn 
es bei Suid. unter evvikeia heisst: liQioio(pdvrfi' aol ydq diöoafiev in evreJLBif tov 
aavöaXiaxovy so deutet das nicht, wie Kock meint, auf eine Participialendung d/aerog, 
sondern gibt offenbar die Erklärung statt der ursprünglichen Lesart. Mit Recht aber be- 
zieht Fritzscbe, wie aus der darauf folgenden Strophe deutlich hervorgeht, xareaxiocj 
. . Tovde aavdaXiaxov xat t6 ^dxog auf den axKfrog ^rircJj' der Frauen und auf die 
axiOTaiy eine weibliche Beschuhung. Hieraus ergiebt sich, dass diese Strophe dem 
weiblichen Chore zukommt {tov de aavöaXiaxov), Folglich muss man, wenn man den 
weiblichen Chor durch seinen Führer zum Preise des Gottes aufgefordert sein lässt und 
wenn die V. 394 — 97 der Responsion halber dem Daduchen zukommen, auch die erste 
Strophe, mit welcher die zweite in engster Verbindung steht, einem weiblichen Halb- 
chore zutbeilen '). Nach der zweiten Strophe fällt ein männlicher Halbchor ein ; der Gesang 

') Beer über die Zahl der Schauspieler bei Arist. S. 82 nimmt drei Abtheilangen des Chors 
an von Greisen, von Jünglingen, Ton Franen und Mädchen nnd vertheilt an diese drei Abtheilangen 
die drei Strophen (1. Greise, 2. Frauen, 3. Jünglinge). Aber die Theilung des Männerchores in Greise 
und Jünglinge ist nicht gerechtfertigt und die Worte 6fiqoy <os ayfv noyov 7ro;üli;V 666y ne^aiy^is 
(Y. 400) haben keine Beziehung auf die Greise, wie Beer annimmt. — Die Vertheilung der Chorpartieen 



25 

aber wird durch das Hervortreten des Dionysos und Xantbias unterbrochen. Nach dem 
Hinzntreten dieser beiden Personen stehen fünf Gruppen auf der Bühne und diesen 
fünf Gruppen entsprechen die fünf gleichen Strophen der folgen-* 
den Spottlieder^). 



II. XJeber Vers 094 ff. 

fiovov onag /ir; a 6 xh;fi6g aquctaag 

ixTog otaei twv ikacov 

deiva yoQ nazrjyogfjyiev. 

aKk OTtvjg, (jj yevvaoay 

fATj nqog OQyrjv avTiXi^eig, 

dXXd avoreikag axQoiai 

XQtif^evog Toig lazioig 

elra /jaXkov fiaUx)v a^eig 

xat (pvhi^eig, , 

lyviV av To TtvevfAa Xelov 

xat TLad^eairpaog kdßrjg. 

Zu BTiTog oYaei tcov ehxtov gibt der Schol. die Erklärung sfAcpaivsi de ri lüQia- 
fiavov Xiyeiv, xal /naXicza tag in a'KQOv ijtTtodQO/Liov ilaiai iflav xa^' ag i^etpiqovxo 
Ol vTtoninvovreg xard vov dqofxov, -D^elec de elneiv, eKZog xoZ nQOxeifievov und iv 
TtjT reXei tov tonov ov ezeXelvo 6 dQÖfiog eXaiai OTiXfjödv 'iaravtai ovoai Kardvrrjfia 
Tov 5q6(.iov aal ovdetg eney.eiva tovtcov ex'^qei. oartg ovv Trega rov deovzog enqaTze 
Ti, ekeyov log eyirdg tc5v ilaitov q^iqeTai. eTreKQdrr^ae de elg TtaQOifiiav, Diese Er- 
klärung des Scholiasten wird von den Herausgebern wiedergegeben, aber sie passt nicht 
für unsere Stelle ; allerdings hat t^to ögof-iov manchmal die Bedeutung eyiTog rov TrQoxei" 
fievov z.B. Aesch. Cho. 513; allein eTtrog dqo^ov q^eqta&aiy womit einzog ehxwv ye^c- 
o^ai gleichbedeutend ist, hat auch einen anderen Sinn, weichet^ aus Aesch. Prom. 883 
t^u) de dqofxov q^eqo^ai Xvaar^g Ttvev^azi ^dQy(i>, Cho. 1022 äoneq ^y inTtoig r^vio- 
ozqorpw dqofiov e^coziqco' (peqovGi ydq vrMO/jevov q>qiveg dvaaqi^zoi, Ag. 1245 «c 
dqofiov Tteocüv zqlyco erhellt und welcher allein für unsere Stelle geeignet ist. Der Chor 
ermahnt Aeschylus, er möge sich nach den boshaften Beschuldigungen des Euripides 



bei R. Amol dt de choro Arist. quaestt. scacn. Regim. Pr. 1868 p. 28. sqq. beruht auf der oben 
S. 5 als irrig erwiesenen Erklärung der V. 444 sq. (Tgl. ebd. p. 35). 

*) An und für sich lässt sich die Regel aufstellen, dasa von drei gleichen Strophen die 
dritte einem zweiten Chore oder einer anderen Person gehöre. Allgemein lässt man 
nach Dindorf s Annahme V 1370-1377 mit V. 1482—1490 = 1491—1499 respondieren ; aber diese 
Responsion erfordert die Ansetzung einer Lücke nach V. 1373, welche durch den Sinn nicht nur nicht 
verlangt, sondern kaum zugelassen wird. Eine Responsion besteht ebenso wenig bei diesem Chor- 
gesange als bei dem kurzen Chorvortrage V. 1250 ff. 

4 



2(i 

oicbt Ton arger Leidensctoft fortreissen lassen und nicht von Sinnen kommen 
(vgl. fioviag vtco deiv^g V. 816), sondern ruhig nnd gelassen seinem Widersacher ent- 
g^entreten und allmäblig mit der Wucht besonn.ener Entgegnung immer mehr auf ihn 
losstürmen. — Das zweite von der Schifffahrt entlehnte Gleichniss leidet noch au einer 
Verderbniss. Bei grossem Sturme refft der Seemann die Segel; wenn der Sturm sich zu 
legen anfängt, breitet er allmäblig die Segel wieder aus und hat er sanftea und gleich- 
massigen Wind erlangt, so fahrt er mit vollen Segeln (nkfjQtoiv lor/oig, oloig iarioig). 
In diesen Zusammenhang der Worte passt das Wort a^eig nicht; denn ayeiv zd iaria 
hat keinen Sinn. Seid 1er hat dafür ei^eig vermutbet, Beruh. Tbiersch and 
Fritzscbe haben ^^ng geschrieben: eY^eig widerspricht dem Gedanken; diaaeiv rolg 
iorioig, wie Fritzscbe interpretiei*t, wird nicht vom fahrenden, sondern von dem Fahr- 
zeug gesagt wie Eur. Tro. 1085 ifii di novriov OY,dq>og diaaov TrreQolai TtoQtvaei 
uTTvoßoTov ^^/og, worauf Fritzscbe verweist; auch muss von dem allmähligen Aus- 
breiten der Segel die Rede sein. Die Emendation ist durch den Sinn wie durch die 
Buchstaben nahe gelegt: man braucht nur statt u4SE12 yiSEl^ zu lesen, so ergibt 
sich das allein angemessene ^iX^eig. Vgl. Hom. ß 426 %7:x.ov d" lavia Xevxd nar^W- 
Toiüi ßoevoi. Die Taue, mit welchen das Segel in dem Sinne unserer Stelle gezogen 
und gerichtet wurde, waren natürlich nicht die ßoeig, sondern die Troöeg. 

TTT . y/rjscvS^ioy diKokeüBv. TJeber den Tadel des 

-A-eschylus. 

V. 1300 droht Aescbylus die Prologe des Euripides mit dem „Salbfläschlein^' zu 
Grunde zu richten. Dies geschieht dadurch, dass in drei Anfängen von Prologen (elaßolai) 
pach der Penthemimeris des dritten Verses, in zweien nach der Pentbemimeris des zweiten 
Verses, in einem Beispiele zuerst nach der Penthemimeris des ersten, dann des zweiten 
Verses Xr^xv^iov ditwXtaev angehängt wird. Ueber die Bedeutung dieses Scherzes gehen 
die Ansiebten der Gelehrten auseinander. Was will Aristophanes an den Prologen des 
Euripides tadeln? Ist der Tadel ernst gemeint und ist er gerechtfertigt? Welcker 
äussert sich hierüber in folgender Weise: „in dem lang fortgesetzten Scherz mit dem 
Oelgeschirre liegt mehr denn Ein Stachel. Zunächst scheint etwas Metrisches gemeint 
zu sein, indem Aescbylus sagt, so gebaute Worte passten in des Euripides Verse . . • 
Auffallend ist nur, dass so oft im zweiten oder dritten Vers der Prologe die Penthe- 
mimeris gerade schliesst, wo das Verbum sich an das Subjekt reihen soll. Durch die 
angepasste Hephthemimeris oder die sieben anderen Silben des Verses, von ''abstechendem 
Inhalt, wird diese Gonstruction merklicher, als wenn Ein Sinn durch das Ganze ginge. 
Demnach bildet Aescbylus eine solche aus willkürlichen Worten, aber nicbt umsonst 
von gemeiner Bedeutung und eine drollige Beschwerde enthaltend, um nämlich zugleich 
der in Euripides Stückeu nicbt seltenen Gemeinheit der Personen und Sachen zu spotten. 
Denn er stellt sich, als ob so ein Zusatz in alle Enripideischen Verse dem Sinne nach 



/ 



27 

so gut passe als dem Versmass nach." Nach Härtung* s Meinung (Eur. rest. I p. 322) 
magis fatuum nihil inveniri potest, quam tale Aristophanis artificiura, si substituendis 
verbiß inanissimis versus Euripideos corrumpi posse putavit. Er erklärt Xrpcv&tov a^rtd- 
keaev im Sinne „proiectas esse ab Omnibus quaecunque in scenam prodirent personis 
ampullas et sesquipedalia verba^' und bezieht den Spott yM Universum dicendi genus, 
quod nimis subtile, tenue humileque esse arguit'*. In eingehender Weise ist diese Scene 
von Hanow commentatio de Aristophanis ampulla versuum corruptrice Progr. v. 
Züllichau 1 844 behandelt worden, welcher zu dem Resultate kommt ,.uunieros prologorum 
Euripideorum lusit Aristophanes, lusit item orationis formas, quae in prologis habentur, 
res in prologis non lusit. Lusus antem Aristophanei haec vis est, ut ab Euripide in 
prologis humano capiti cervicem equinam iungi dicat" (p. 12). Fritzsche bemerkt: 
„Quemadmodum tragici reprehendendis Choephororum et Antigonae exordiis cavillati 
sunt, ita etiam hoc loco Aeschylus videtur cavillari. Namque ita mentitur, quasi Euri- 
pides in metro deliquerit, v. 1202. At usitatissima est senarii caesura penthemimeris", 
setzt aber hinzu „quanquam hie quidem in ipsa cavillatione multum veri inesse contendo. 
Primum enim bene reprehenditur nimia exordiornm aequalitas . . Omnes enim prologi a 
nomine poprio incipiunt. Deinde hoc dicit, Euripidem grandia professum in humilitatem 
delabi'^ Kock schliesst sich der Ansicht und den Bemerkungen Hanows an: ;,Nicht 
allein die wiederholte Anwendung der caesura penthemimeres, die sich in den Versen 
des Aeschylus und Sophocles gleichfalls sehr oft findet, und die nachlässig gleichförmige 
Behandlung des Metrums wird an den Prologen des Euripides getadelt, sondern auch 
die Trivialität der Erfindung und die ermüdende Verwendung derselben Mittel (z. B. 
gehäufter Participialconstructionen undgl.) in der Erzählung". 

Bei allen diesen Erklärungen scheint das komische Mittel mit dem Zwecke 
verwechselt worden zu sein. Mit welchem Rechte sollte die caesura penthemimeris 
getadelt werden? Würde nicht mit demselben Rechte in dem Anfang der Sieben 
vor Theben 

Kddfiov TtoXizai, xqtj Xiyeiv rä xaiQia 
oaTi$ qwXdaaei Ttgayog iv TtQVfAvrj jtoXewg 

das Xrpivd^tov äTtdXeaev angehängt werden können? Ebensowenig kann die Nachlässig- 
keit in der Metrik an solchen Stellen getadelt werden, welche sehr sorgfältig gearbeitet 
und in dieser Beziehung durchaus tadellos sind. Schon Hanow hat sich gestehen müssen 
„ex Ulis trimetris prologorum, quos Aristophanes corrumpit, unus est qui post penthe- 
mimerem vocabulum habet quattuor syllabarum et choriambi mensura contentum, hie 
^oaiaiv innoig Olvo^dov ya^ei xoQrpf^^ (p. 6). Die von Hanow (p. 10) hervorgehobene 
und mit Phoen. 58 — 60, Med. 17 — 19 und anderen Beispielen erörterte Häufung der 
participia kann in der griechischen Sprache nicht als tadelnswerth erscheinen. — Es ist 
ein Fehler, wenn man in den Scherzen des Aristophanes alle möglichen Beziehungen 
finden will; man wird dann gewöhnlich den einfachen und richtigen Sinn übersehen. 
Stellen wir die krixvd^ux zusammen und lassen sie in einem Zuge auf uns wirken : 

4» 



c emrofroc io/ocr. 



J 






iw wera 



rf". 



—IT — IT"« n-ocuunrcr 



^ j-^ -^r^*:» ü. 



..».. 



• exajiT 



^ K 



• I 



^<vV ^ 



^^ 



V. 



.». 



"» >v 



V » C^ 



V 



V 



^^5- 



>N 



s « « 



V 



^ r *.r>r5Jcbeid«i ae sich z, B. tob 
. -^ Ai'^r^ d^ Trachiii. 

.r:< circh die Aneinander- 

i. - > rv.cen Einerlei machtt 

-- iirris des dritten oder 

^ ^ >:, »rlclxes in keiner 

. . -- ^ tr': ::n. oder eine vor- 

^r ?r>i lErcTinsr Äüticipierl 

^ •»> ::,>;.: i:Liurch, dass das Sub- 
S ^ .- ;;.^r fizen Relativsatz eine 
* -^ : -'tr-r. er.s des dritten oder 
^•; •-»! .lis ii-'z<^i.r im zweiten 

* . t :^' » ^1 <^>^ i-.Lis anderes an den 
^ : ^ : r ^ ^/: : : diCytUJM r ; r 
: \ ::S> scL'a an tkiUy '' '' 
r^,^*.".^-fc Sehen för sicL: es 
.v>d /^ ajt das g-ewiLi-''"^ 
>c es- a-./r. '•r-n l«ei den: ^z.:-^ 
\ . , -. .^- i i. mit ciirc i.*i- 
,^ *» ; ,. • cr;<7 becmn, so k::i*^ ^ 



^^ . <k . 



29 

natürlich den charakteristischen Zusatz dg XaletctaL Trjg akrjd^eiag IWo. Mit Recht aber 
sagt das angeführte Scholion rr^v o^ouäiav züv elo ßoXiHv rwv ÖQafidtiov; denn das 
gehört wesentlich zu der Beziehung des Tadels; nur im Anfange der Dramen fällt eine 
solche Gleichförmigkeit auf; auch sind alle Beispiele Anfänge von Prologen; nur zu 
dem sechsten Beispiele bemerkt der Schol. eort i^iv h. 3IeledyQov /devd Ixava rf^g 
d^x^s: allein die Vermuthung von Fritzsche, dass diese Stellung von einer Um- 
arbeitung des jüngeren Euripides herrühre, ist durchaus wahrscheinlich; wenn (fr. 519N0 

KaXvdiov /Liiv r^de yalay TlekoTtiag x^ovog 

iv dvxiTtOQd^ixoig ntöi l'^ora evdaifiova' 

Olveig ^ dvdaaec rijode yrjg ^iTcokiag^ 

Uoqd-d^vog naig, og tiot l4Xd-aiav ya/^elj 

JLrfiag o/aaifiov, Oeariov de naqd^ivov 
der ursprüngliche Anfang des Stückes wäre, so liesse sich gar nicht vorstellen, wie sich 
daran der Satz 

Olvtvg 710% ix yr^g 7tolvfÄ€TQOv kaßcov ordxvv 
habe anschliessen können. Nur eine Möglichkeit bleibt denkbar: Aristophanes kann um 
des Scherzes i^era^v ihucov (V. 1241) willen aus dem später vorkommenden 

ovTog TCOT ix yrfi xtL 
den Anfang Olvevg noi ex yr^g fingiert, ebenso also wie bei dem schon berührten 
Scherze von V. 1244 einen, anderen Zweck als vorher im Auge gehabt haben. — Die 
Frage, ob eine solche Verspottung der Euripideischen Prologe gerechtfertigt sei, müssen 
wir bejahen; nur werden wir darin nicht einen sehr schwer wiegenden Tadel erkennen; 
denn bloss die Häufung der Fälle bringt die komische Wirkung hervor. Ueber- 
haupt ist ja bei den Ausstellungen an der Euripideischen Dichtkunst Grosses und Kleines 
gemischt; dem Komiker ist es um Scherz und um das Lachen und die Unterlialtung 
der Zuschauer zu thun. Euripides muss für verschiedene Dinge herhalten, die ihm 
gar nicht oder nur insoferne zur Last fallen, als er dem Geiste seiner Zeit huldigte und 
die Ideen der Aufklärung in den Beden seiner tragischen Personen hervortreten liess. 
Aber auch unser ästhetisches Urtheil über die Tragödie des Euripides wird mit vielen 
Anklagepunkten des Aristophanes übereinstimmen. Mit Recht wird die undramatische 
Exposition der Prologe (V. 946), das Anbringen * philosophischer Reflexionen an unge- 
eigneter Stelle und im Munde ungeeigneter Personen (V. 949), das Hereinziehen des 
alltaglichen Lebens in die ideale Welt des tragischen Spieles (V. 959, 971 ff.), das 
Streben nach äusserlichem Flitter in den Chorgesängen (V. 1309 ff.), die Trivialität des 
Inhalts in den Monodieen (1331 ff.), der Tanz von Einzelpersonen auf der Bühne (V. 849), 
die Bearbeitung anstössiger oder eines erhebenden Inhalts entbehrender Stoffe (1049 ff. 
u. ö.) und anderes getadelt. Doch darüber wollen wir hier nicht weiter sprechen, sondern 
die Aufmerksamkeit auf einen anderen Punkt richten. Wie steht es mit dem Tadel, 
welchen Euripides gegen Aeschylus ausspricht? Wollte Aristophanes, während er den 
Inhalt und die grossen und gewaltigen Gedanken des Vaters der Tragödie über alles 
erhob (1059 ff.), formelle Schwächen desselben zwar in harmloser, aber doch in ernst 



30 

gemeinter Weise tadeln? Der Verfasser des ßlog ^laxvlov nahm die Stelle V. 911 ff., 
wo Enripides sich über das stille lautlose Dasitzen von Personen in Stacken des Aeschylos 
lustig macht, als eine Verspottung des Aescbylns: äare dia to TtXeoi'dteiv t(^ ßi^i 
rc3v TtQoacimiov y.iofiioöeirai TTaQa l4qiOT0qdvovg' iv fiiv yccQ rj JNioßr^ Nioßr- ?C£>c 
XQivov uiqovg r/uxa&r^uevr^ r(p zag'<o riov naidixiv ovdiv (pd^iyyeiai e/xexaii'/i^O'jj- ^r 
TS TÖt^ ^'E^^Toqog XvTQOig i/^'^^*^? Of-tolug iyKexaXvfiidevog ov q^O^iyyejaiy TrXr^v ir 
dqxcclig oltya TTQog 'EQijir^v d^ioißala. Allein Aristophanes hat seine eigentliche Meinong' 
darüber sehr deutlich in V. 916 ausgesprochen: 

iyio d* tx(ziQOv rj aiü}7tfj, xai fte tovt tTBQTtey 

oi'x rjvov ?; itv oi )ja)Mvvreg. 
Die ganze Scene ist so eingerichtet, dass Euripides mit dem Spotte gegen Aeschjlus nur 
sich selbst verspottet und so ist auch das grossartige Schweigen der Aeschyleischen 
Personen in Contrast zu dem kleinlichen „Geplauder" der Euripideischen Personen ge- 
setzt Uebrigens kann das Schweigen des Prometheus in der ersten Scene des gef. Prom. 
uns über das Schweigen der Personen in Aeschyleischen Dramen einen Auischluss geben. 
Dieses Schweigen war ein ökonomisches Mittel zu der Zeit, als der 
Dichter nur zwei Schauspieler zur Verfügung hatte. Aeschylus ver- 
stand es, wie uns der Prometheus lehrt, das äussere Mittel aufs beste innerlich zu 
motivieren. — Einigen Ernst kann man in dem Tadel der Prologe und des Ausdrucks 
erkennen, welchen Euripides V. 1119 ff. an den Anfang der Ghoephoren knüpft. 
Zuerst wird an dem V. 

'EQfif^ Xd'ovie TratQi^ eTtonrevwv xQarrj 
die Unklarheit beanstandet. Dass aber hier nichts als Scherz getrieben werde, erkennt 
man daraus, dass dem Gegner Euripides die richtige, dem Aeschvius die unrichtige Er- 
klärung des Verses in den Mund gelegt wird. Dies hat schon Aristarch bemerkt, wie 
der Schol. mittheilt: l^QiaraQxog de qr^ai twv eBr^yr^aeiov rov auxov rijv TTQorl^v xcrrd 
Tov noiijCY^v eivaiy r^v 6 EvQiTiidr^g e^rj' zd rov ifiov TiazQog x^drr] enoTtrevvjv og 
7iQaTt]&eig imcc tüv Tteql uiltyiaO^ov dTtiulezo, Unrichtig ist es, wenn Fritzsche 
hierin den Sinn findet „der du über meines Vaters Herrschaft wachst*^; offenbar gibt 
der Zusatz dg (oder (ig) x^arr^ö^eig ino rcjy ne^i ^Yyiad^ov die nähere und allein 
richtige Erklärung von xQarr]: ro xQcrrr^&r^vat tov i^ov nareQa (,, schaue an die Ver- 
gewaltigung meines Vaters und werde Ketter und Helfer mir''). Ebenso spasshaft ist, 
wie ich in meinen Studien zu Aechylus S. 52 gezeigt habe, die Rechtfertigung der 
Worte rpau) ydq ig y^v rr-vdc xat xaTeQx^fiai^ welche dem Aeschylus V. 1163 bei- 
gelegt wird. Hätte man dies bemerkt, so würde man nicht die ganz in 
gleicher Weise launenhafte Erklärung von Tcldeiv, dxoiaai V. 1175 f., 
welche nur dem Aeschylus gehören kann, wegen ihrer Scherzhaftigkeit dem 
Dionysos gegeben haben. lieber das Potpourri aus Aeschyleischen Chorgesängen 
V. 1264 ff. brauche ich nichts zu bemerken: die blosse Laune liegt auf der Hand. 
Während wir also nicht nur den Charakter und das Streben und Wirken des Euripides, 



31 

sondern auch den ästhetischen Werth seiner Dichtung einer verunglimpfendeji Kritik 
unterzogen sehen, wird die Dichtkunst des Aeschylus in keinem Punkte 
getadelt; der von Euripides ausgesprochene Tadel ist so gewählt, dass er entweder 
Euripides selbst trifft oder durch seine Nichtigkeit nur Lachen erregt. • 



IV. XJeber die Farodie einer Euripideischen 

]VIonodie. 

Um zu zeigen, wie in den Euripideischen Monodieen der Inhalt hinter der Form 

zurückbleibe und gewöhnliche Gedanken und Reden durch blendende Phrasen und durch 

die Begleitung mit Tanz und Musik zu hochlyrischen Ergüssen hinaufgeschraubt werden, 

hat Aristopbanes aus Stücke^ Euripideischer Monodieen und anderweitigen Floskeln Euri- 

pideischer Melik eine Parodie geschaffen, welche durch den lächerlichen Contrast von 

Form und Inhalt im höchsten Grade komisch wirkt. Wie Hekabe in dem gleichnamigen 

Stöcke das Schattenbild ihres todten Sohnes Polydor, welchen sie bei ihrem tbracischen 

Gastfreunde wohl geborgen glaubt, im Traume erblickt, so schreckt hier eine arme !Frau 

ans schweren Träumen empor; sie hat den Geist ihres todten Gockels im Schlaf 

gesehen ') ; sie springt auf, lässt Licht machen, um sich Erleichterung zu verschaffen 

und sich von dem bösen Traume zu reinigen. Da aber wird offenbar, was der Traum 

zu bedeuten hatte : die Nachbarin Glyke hat der guten Frau, während diese mit Spinnen 

beschäftigt und ganz in ihre Arbeit versunken war, ihren Gockel gestohlen — und wie 

man sich hinzudenken muss, geschlachtet. Da ruft die Frau die Kreter mit ihren Bogen, 

die Jägerin Artemis mit ihrer Meute, die Hekate mit ihren hellleuchtenden Fackeln 

herbei, um Haussuchung bei der Glyke zu halten. Das Verhältniss der Parodie zu den 

Monodieen des Euripides und das Mass der Entlehnung lässt sich nicht genau bestimmen. 

Eine Stelle aber kann, richtig verstanden, einigen Aufschluss geben, nämlich V. 1339 

dU/i iJLOi dfiq)i7tokoL Xvxvov aipare 

Tidhtiai % 6x noraf^ojv dqooov aQare, ^iq^iexe d* i'dwp, 
oJg av d'Elov ovsiqov aTtonkvaio, 
Der Schol. bemerkt zu dild fioi df^q)inoXoi: nagd rd ix twv EvQinidov Ttjiiendwv. 
Wie wenig man bisher die Pointe dieser Stelle richtig aufgelasst hat, zeigt z. B. der 
Umstand, das Fritzsche diese Verse für eine wörtliche Entlehnung aus der Monodie 
des Euripides hält. Brunck merkt an: „qui triste insomnium viderant, primo mane 
se lustrabant marina aut fluviali aqua. Huius moris exemplum est in Apoll. Argon. IV 663, 



*) Nicht ganz richtig meint der Schol: to 6k oyag S elSe toioZtoy ilrai SoxfT, tag yvnj xis 
^ yfiTortoy ot^aa uvr^, FXvxti xaXovfUyri, t6v aXsxTQvoyet äQnaffaaa ^/ero. Dagegen wäre die 
Bemerkung von Eock gerechtfertigt: „Dies als den Inhalt des Tranmes za &ssen, wie viele than, 
ist unmöglich nach 1334—1337 und 1355." Was der Sinn ist, zeigt deutlich der V. 1338 /leyahwf 
oyvx«C ixotnca. — 



32 



ubi viso • sub Medeae et Jasonis adventom somnio exterrita Circe fTtinloiuvr^g rpv^ 
voTideaai d'oXaaar^g iyQOuivr, TrXoxdfiovg te xat äfjioxa (faid^'ve<rxe^\ Berg 1er 
erinnert noch an Aesch. Pers. 201 nnd Pers. Sat. II 16. Wann aber ist erhört worden« 
dass man bei solchen frommen Waschungen das frische Quell-, Flnss- oder Meerwasser 
erst warm gemacht habe, um sich nicht zu erkälten? Nach Fritzsche beziehen 
sich die Verse auf den Traum der Hyrnetho, in welchem diese den Tod ihres Vaters 
Temenos oder ihren eigenen Tod vorgedeutet sah; wir wissen nicht, wer die sprechende 
ist, und können uns die Situation nicht vorstellen; den ursprünglichen Sinne von dUxz 
uoi — ^^Qfiere (f väcoQ können etwa die Verse der Euripideischen El. 54 flf. 

CO vv^ uDjczLva, x^a^'cjn' dav^ov TQoq^i, 
ir 1^ rod dyyog n^^ iq'tdQivov xa^^r 
(fiQOvöa Tti]ydg Ttoia^iag fiertQxo^ai 
anzeigen: Die Hausfrau befiehlt dort in früher Morgenstunde ihren 
Mägden Wasser aus dem Flusse zu holen und es warm zu machen — 
für die Wäsche. Darin liegt also der Hauptspass, dass an diese Verse die 
Worte log av ^ elov oveiQov aTT oxXio lo geknüpft werden- Der Vers iog 
av ^eiov oveiQov dn:oy.hiöio stammt demnach nicht aus den Temeniden, sondern ist, wie 
der Schol. bemerkt xai rovco fUfitlTai (vgl. das Schol. zu 1331 uio'Ah]hiad}^^ 
TtaQa rd iS ^E/.dßt^g Eiqijiiöoi-, iy uiur^aei dtjXoroTi) 6 ^\ayv),og' zovto di )Jyet 
TtaQOOov d:rodion:ofA.reia0^ai eiiod^aai lovg ya/^jjojidrovg rtor oreiflC'Jv, eine Nachahmung" 
von Hec. 72 dTionifi^rouai iriTyov oit'tv, — Das richtige Verständniss dieser Stelle 
kann uns gleich ein Fingerzeig sein ßr eine andere Stelle dieser Parodie. Zu V. 1356 
bemerkt der Schol. rovg KQtjag )Jyei- ton di r/. KQtjioi' EiQuidov. Wieder hält 
Fritzsche die Verse: 

aAA' CO KQfjreg, ^'idag Tr/.va, 

xa züSa kußoriig ina^vrare^ 

ra y.io/xt r au:ia)j^Ti xrxAot'/i^j'Oi ri^r oi/.iav, 

aua de Jr/.rvti'a naig ^l^QTiuig y.a}jd 

xvrag tyoiv ^k^i-no öid douioy Travrayjy 

av <f 10 Jtog — jtaQdqr^vov, 
für eine wörtliche Entlehnung aus der Monodie des Ikarus in den Kretern, von welcher 
der Schol. zu V. 849 spricht (tv ycio lolg Kq^^oIv ^'l/.aQOv fiorvjdovvra f\TO/i;(X£), und 
meint: „In Cretensibus monodiam canebat Icarus in Labvrinthum conclusus. Ex illa 
monodia petiti sunt nostri versus, in quibus vir oi/.lav et dtd doucov haud dubie dice- 
bantur de Labyrintho. Jam aptissime invocat Icarus Labyrinthi custodia quasi irretitus 
deam JUziwav^ quae se ex bis tamquam retibus expediat cum magna vi canum, quarum 
est odorari viam, et praeterea Hecaten, quae facibus viara monstret.*' Ich frage zuerst: 
wie konnte eine solche Situation auf der griechischen Lühne dargestellt werden? Was 
soll aber gar %d iLuiA % du:id)J^ve heissen ? Etwa „crura leviter movete" ? Nein, 
dvard)J^iv heisst in die „Höhe schwingen** und rd xußXd v dürr d^kex e xixAor- 
uevoi enthält eine Aufforderung zum Tanz und zwar weil rd ro^a 



33 

XaßovTsg oder wie es ursprünglich geheissen haben mag dazu gehört, 
zu einem kretischen Waffentanze. Da mit w Kgr^reg "löag riicva dieKureten, 
welche den Chor des Stückes bilden^ (vgl. fr. 475 N.), angeredet werden, so wird der 
Chor aufgefordert die nvqQixr} zu tanzen. Dadurch nun, dass Aristophanes eTta^vvare 
und zu ra xcDAa t d/dTtaXkeve xvxXoviAevoi : tt^v olxiav (das Haus der Diebin 
Glyke) hinzusetzt, wird der ursprüngliche Sinn in possierlichster Weise verdreht. — 
nicht anders verhält es sich mit V. 1352 f.: dviuraT ig ali>eqa ist eine vornehmlich 
Euripideische Metapher (Med. 440 al^eqia S" dvenva^ Iph. T. 843 /ur nqog al&eQa 
dfintdfAevog (pvyj], Hec. 1100 vgl. Andrem. 1J19, Herc. f. 69; auch Or. 1376, Jon 797) 
für das plötzliche Verschwinden einer Sache; hier wird die Redensart in scherzhafter 
Weise von einem wirklich geflügelten Wesen gebraucht und durch den Zusatz Tcavqo- 
Tceratg TtTeQvycav ax^alg (ganz gegen die Natur des Hahnes) in ihrer eigentlicheo 
Bedeutung näher bestimmt. — Demnach sehen wir, dass weder die Meinung von 
Welcker, welcher die Reminiscenzen die man in dieser Parodie gefunden für sehr 
zweifelhaft und unbedeutend hält, noch die Ansicht von Fritzsche ,, Carmen paucissimis 
versibus vocabulisque exceptis totum Euripidis est" das richtige trifft. Der Traum im 
Anfange erinnert, wie Asklepiades (bei dem Schol.) bemerkt hat, sehr an den Traum 
der Hecabe, ohne desshalb eine wörtliche Uebertraguug zu sein, und verspottet im 
allgemeinen die Träume der Euripideischen Stücke, welche bei der 
Motivierung besonders des Auftretens von Personen eine grosse 
Rolle spielen. Dann sind einige Stellen wörtlich entlehnt, aber durch Zusätze in 
komischer Weise verdreht. Das übrige scheint zum Theil vollständig erfunden zu sein, 
zum Theil aus Reminiscenzen ohne bestimmte Beziehung und wörtliche Entlehnung (<cJ 
TtovTie öaiiiov V. 1341, Xivov fiecrov azQcniTOv elXicaovaa %eqoiv V. 1347 vgl. Orest. 
1431 a da XLvov r^hxyLaxif daTirvXoig ekiaae, dann V. 1353 — 55) zu bestehen. Wie 
es mit V. 1359 a^ia de — *JExara stehe, lässt sich nicht genau angeben. Remini- 
scenzen sind sicherlich darin enthalten. 



tin 






. > 



f4 



5 



1 



I 

I 



~l^ 



This book should be returned to 
the Library on or before the last date 
stamped below. 

A fine is incurred by retaining it 
beyond the specified time. 

Please return promptly. 






/ 



\